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Einkommensrunde 2020 bei Bund und Kommunen

Statt Einsatz zu belohnen,
zerstören die Arbeitgeber Vertrauen

Während der Corona-Pandemie arbeitet der öffentliche Dienst am Limit. Dieser Einsatz, auch und gerade der jungen Beschäftigten, muss belohnt werden, fordert die Vorsitzende der dbb jugend Karoline Herrmann. Doch auch in der ersten Verhandlungsrunde mauern die Arbeitgeber.
„Trotz widriger Umstände haben die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in den letzten Monaten alles gegeben, damit der Staat funktioniert. Alle Bereiche waren gefordert, damit das gesellschaftliche Leben so normal wie möglich weitergeht. Dabei ist die Arbeitsbelastung für viele Kolleginnen und Kollegen schon unter normalen Bedingungen oft grenzwertig. Eine Erhöhung der Ausbildungs- und Praktikantenentgelte um 100 Euro und eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,8 Prozent ist daher absolut angemessen“, sagte Herrmann am 25. August 2020 bei der Vorstellung der gewerkschaftlichen Forderungen für die Einkommensrunde 2020 bei Bund und Kommunen.
Herrmann erinnerte erneut an das Angebot an die Arbeitgeberseite, sich zügig auf einen Tarifvertrag mit kurzer Laufzeit und einer Einmalzahlung zu verständigen. „Das hätte alle Seiten entlastet, doch die Kommunen beziehungsweise die kommunalen Arbeitgeber haben auf stur geschaltet. Im Ergebnis müssen wir nun mitten in der noch nicht ausgestandenen Pandemie extrem schwierige und hochkomplexe Verhandlungen führen. Und im Fall der Fälle sogar Warnstreiks durchführen. Das würden wir der Bevölkerung natürlich lieber ersparen. Aber es kann nicht sein, dass die Kolleginnen und Kollegen für ihre Leistung auch noch mit Gehaltseinbußen bestraft werden“, erklärte die Chefin der dbb jugend.
Das Verhalten der Arbeitgeberseite sei auch mit Blick auf die Personalentwicklung absolut kurzsichtig. Herrmann: „Reicht es nicht, dass unsere Technik oft veraltet ist? Dass unsere Führungskräfte sich mit ‚neuen‘ Arbeitsformen wie Homeoffice vielfach sehr schwer tun. Müssen die Arbeitgeber jetzt auch noch aller Welt vorführen, dass sie Leistung und Einsatz nicht belohnen wollen? Wie sollen denn unter diesen Bedingungen die dringend benötigten Nachwuchs- und Fachkräfte gewonnen werden? Hier wird gerade viel Vertrauen in den ‚Arbeitgeber Staat‘ zerstört.“

Dieser Eindruck hat sich in der ersten Verhandlungsrunde leider bestätigt. „Der Auftakt ist mit ‚ernüchternd‘ noch nett umschrieben“, zeigte sich Herrmann nach den Gesprächen am 1. September 2020 enttäuscht.
„Ich hatte wirklich gehofft, dass insbesondere die kommunalen Arbeitgeber nochmal in sich und dann konstruktiv in die Verhandlungen gehen. Aber davon war überhaupt nichts zu spüren. Im Gegenteil: Der sture Verweis auf die ‚leeren Kassen‘ zeugt von einer Ignoranz gegenüber den Beschäftigten, die man vor wenigen Wochen auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie noch beklatscht hat, die ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagte Herrmann, die als Vorsitzende der dbb jugend auch Mitglied der dbb Bundesleitung ist.
„Hier wird gerade wahnsinnig viel Porzellan zerschlagen. Der Bund und vor allem die Kommunen stoßen damit nicht nur die jungen Beschäftigten vor dem Kopf. Sie torpedieren auch mutwillig alle Bemühungen der letzten Jahre, den öffentlichen Dienst für zukünftige Nachwuchskräfte als verantwortungsbewussten und modernen Arbeitgeber attraktiv zu machen“, machte die dbbj Chefin deutlich. „Die Konsequenz ist klar: Wir werden den Protest gegen diese völlig verfehlte Personalpolitik auf die Straße tragen. Die Bevölkerung soll wissen, wie die Politik mit den Menschen umgeht, die den Laden gerade während der letzten Monate am Laufen gehalten haben.“ Ende

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Online-Diskussion „Der Lernende Staat“

Digitalisierung des öffentlichen Dienstes:
Die E-Akte ist nur der Anfang

Bei der Digitalisierung der Verwaltung geht es nicht nur darum, die bisherige Arbeit mit mehr IT-Unterstützung zu erledigen. Vielmehr müssen Prozesse und Strukturen grundsätzlich überdacht werden, fordert die Vorsitzende der dbb jugend Karoline Herrmann.
„Es geht um mehr als alten Wein in neuen Schläuchen. Digitalisierung kann so viel leisten, das über die Einführung der E-Akte oder ähnliche Projekte weit hinaus geht. Wir haben hier die vielleicht einmalige Chance, unsere Verwaltung ganz neu zu denken“, so Herrmann beim Online-Seminar „Der Lernende Staat – Neue Prozesse“ des Behördenspiegels am 21. Juli 2020. Wichtig sei, dass die Beschäftigten bei diesem Wandel mitgenommen würden. „Das bedeutet: Personalvertretungen frühzeitig einbinden, Veränderungen transparent kommunizieren und vor allem die Aus- und Fortbildungskonzepte entsprechend anpassen. Denn klar ist, dass es eine ‚Digitalisierungs-Dividende‘ maximal langfristig geben wird. Kurzfristig werden wir sogar vermutlich mehr Personal brauchen und können es uns schon deshalb nicht leisten, auch nur eine oder einen Beschäftigte auf diesem Weg zu verlieren.“
Klar sei, so die Chefin der dbb jugend weiter, dass sich der Arbeitsalltag von vielen Beschäftigten verändern werde. „Wenn Routineaufgaben im Hintergrund entfallen, ist wieder mehr Raum für Service-Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger. Ich halte es aber gerade mit Blick auf den Wettbewerb um Nachwuchs- und Fachkräfte für unabdingbar, dass auch die Kolleginnen und Kollegen von einer neuen Flexibilität profitieren. Stichworte sind hier zum Beispiel „Mobiles Arbeiten“ und „Homeoffice“. Allerdings müssen wir als Gewerkschaften hier genau hinschauen und auf verbindliche Regelungen bestehen, um eine totale Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben zu verhindern.“
Auch für Modelle wie Arbeitsplatzteilung („Jobsharing“) oder geteilte Führungsverantwortung („Topsharing“) müsse es im öffentlichen Dienst mehr Raum geben. Herrmann: „Das ist gerade auch im Hinblick auf Gleichstellungsfragen interessant, wenn wir mit der Digitalisierung auch die Präsenzkultur hinterfragen.“ Zudem biete der Prozess der Digitalisierung auch die Chance auf ein neues Miteinander der Generationen. „Die ‚Digital Natives‘ beschäftigen sich von Kindesbeinen an mit neuen Technologien. Es muss uns gelingen, diese Fähigkeiten mit der Erfahrung der Älteren in diversen Teams zusammenzubringen. Darin liegt so viel Potenzial, dass bisher nicht ausreichend genutzt wird“, erklärte die Chefin der dbb jugend. Ende

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... darüber berichten wir tagesaktuell auf der Homepage der dbb jugend unter: www.dbbj.de

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