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Ehrenamt stärken

Das Wir in Dir

„Das Wir in Dir“ – mit diesem treffenden Slogan wirbt Berlin als diesjährige European Volunteering Capital – Europäische Freiwilligenhauptstadt fürs Ehrenamt. „Jede dritte Berlinerin und jeder dritte Berliner engagiert sich, sei es im Sport, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Kultur, im Umweltschutz oder auch in der Nachbarschaftshilfe. Gerade in diesen Krisenzeiten spüren wir alle, wie wichtig es ist, dass Menschen für andere da sind. Als Europäische Hauptstadt des freiwilligen Engagements wollen wir zeigen: freiwilliges Engagement ist das Fundament für Freiheit, Zusammenhalt und eine Stärkung der Demokratie“, sagt der Regierende Bürgermeister Michael Müller.

Wie in Berlin engagieren sich in ganz Deutschland Millionen Menschen ehrenamtlich – rund 31 Millionen, um genau zu sein. Sie übernehmen Arbeiten, Dienste und Einsätze, die der Staat, soziale Einrichtungen und Träger oder andere Institutionen nicht finanzieren können oder wollen und füllen damit eine wichtige Lücke in der Gesellschaft.
Auch für die eigene Persönlichkeit bringt die Freiwilligenarbeit eine ganze Menge Benefits: Sie stärkt das Gemeinschaftsgefühl und weckt den Teamgeist. Wer sich mit anderen Menschen verabredet, um gemeinsam etwas zu (er)schaffen, der ist Teil einer Gemeinschaft. Trifft sich diese Gemeinschaft öfter, gewinnt sie an Stärke. Durch soziales Engagement schaut man über den persönlichen Tellerrand hinaus und kommt mit Menschen aus anderen Umfeldern in Kontakt, wird mit Situationen konfrontiert, die einen als Person wachsen lassen und das Selbstbewusstsein stärken – Erfahrungen, auf die man auch im Hauptberuf aufbauen kann.
Auch der sinnstiftende Aspekt der zahlreichen Ehrenämter ist für viele Menschen eine wichtige Bereicherung ihres Lebens. Es gibt Untersuchungen der OECD, wonach Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, eine bessere Gefühlsbilanz und höhere Zufriedenheit haben.

dbb jugend: Ehrenamt stärken, Anreize schaffen

Die dbb jugend, die mehr als 150.000 junge Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und der privatisierten Bereiche in Deutschland vertritt, setzt sich vehement dafür ein, dass das Ehrenamt gestärkt wird. „Das Ehrenamt ist für das Funktionieren unserer Gesellschaft unabdingbar. Um junge Menschen zu motivieren, ehrenamtlich tätig zu werden, und um sie längerfristig an das Ehrenamt zu binden, müssen neben den notwendigen gesetzlichen Grundlagen auch Anreize geschaffen werden“, fordert dbb jugend Chefin Karoline Herrmann. Ihr Vize Philipp Mierzwa ergänzt: „Wir wollen, dass Nachwuchskräfte und junge Beschäftigte passende Rahmenbedingungen vorfinden, um verstärkt ehrenamtlich tätig sein zu können.“ Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Vorbildfunktion des Staates für eine funktionierende Bürgergesellschaft fordert müsse es eine umfassendere staatliche Unterstützung von ehrenamtlich Tätigen geben. „Das ehrenamtliche Engagement und die durch das Ehrenamt erworbenen Fähigkeiten sollen im Beruf und bei der Einstellung anerkannt werden“, fordert Herrmann. Zudem müssten die Möglichkeiten von bezahltem Sonderurlaub für ehrenamtliche Tätigkeiten ausgebaut werden. Auch soll das gewerkschaftliche Ehrenamt in die Steuerbefreiungs-Tatbestände des § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) aufgenommen werden, lautet eine weitere Forderung der dbb jugend.
„Ehrenamtliche Arbeit ist nur möglich, wenn den Verbänden ausreichend Mittel zur Verfügung stehen. Die Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes dürfen daher nicht weiter gekürzt, sondern müssen stetig erhöht werden“, unterstreicht Philipp Mierzwa. Gleichzeitig müssten Förder- und Beantragungsverfahren deutlich vereinfacht werden.

Saskia Grimm
Sachbearbeiterin Finanzamt, Thüringen

„Ich bin seit Februar 2021 Landesjugendvorsitzende im dbb thüringen. Außerdem bin ich seit mehr als sieben Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit. Anderen Menschen etwas zurückgeben zu können, ist mir sehr wichtig. Als Jugendvorsitzende des tbb setze ich mich aktiv für die Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen im öffentlichen Dienst ein. Bei der evangelischen Jugendarbeit kann ich Kindern und Jugendlichen helfen, die nicht immer ein leichtes Leben haben. Ich finde das wichtig, da meine Kindheit sehr schön war. Ich hatte und habe meine Familie, die in jeder Situation zu mir hält. Andere haben dieses Glück oftmals nicht. In beiden ehrenamtlichen Tätigkeiten lerne ich ständig neue Menschen kennen, auch das bereichert mein Leben. Ich finde, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sollten mehr Anerkennung bekommen. Das muss nicht finanziell passieren, Wertschätzung kann viele Gesichter haben.

Tim Reukauf
Gymnasiallehrer, Thüringen

Seit März 2019 bin ich stellvertretender Landesvorsitzender der dbb jugend thüringen und seit August 2019 zudem Sprecher des Jungen tlv – dem thüringer lehrerverband.
Sich gewerkschaftlich zu organisieren, Probleme der Basis sammeln, gemeinsam an Lösungen und Verbesserungsstrategien zu arbeiten und den Entscheidungsträgern auf die Finger zu schauen, ist eine große Leidenschaft. Gemeinsam mit einem starken Team Ziele zu erreichen, motiviert ungemein.
Für die vielen Freiwilligen in Deutschland wünsche ich mir mehr Rückendeckung, Wertschätzung und Anerkennung.

Simone Fetten
Regierungssekretärin, NRW

Ich bin seit 2014 bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in der Einsatzeinheit Rodenkirchen (Katastrophenschutz) – mein Einstieg dort war ein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abitur. Die Arbeit im Krankentransport, im Sanitätsdienst und im Hausnotruf hat mir so viel gegeben und Freude bereitet, dass ich ehrenamtlich dabeigeblieben bin. Die Arbeit, hauptsächlich bei Sanitätsdiensten oder beispielsweise bei Bombenevakuierungen, macht mit einem super Team einfach eine Menge Spaß. Zudem trifft man immer wieder neue Menschen, die dasselbe Hobby haben, und kommt viel rum. Man erlebt einfach viel und wächst an jeder Erfahrung, die man macht. Das sind Dinge, die mich motivieren, auch ehrenamtlich Menschen zu helfen und zu arbeiten. Ich wünsche mir mehr Aufmerksamkeit für die vielen Ehrenamtlichen im Land. Vor allem in Berichten oder Zeitungsartikeln über Unfälle etc. werden Hilfsorganisationen oft nicht richtig oder sogar überhaupt nicht erwähnt. Oft ist nur die Rede von der Feuerwehr, der Polizei oder dem Rettungsdienst. Aber wenn zum Beispiel auf einem Konzert etwas geschieht, sind oft die ersteintreffenden Sanitäter ehrenamtliche Mitglieder einer Hilfsorganisation. Leider rückt das immer in den Hintergrund.

Tamara Richter
Bundesbanksekretärin, Hessen

Ich bin Anfang 2020 vom passiven Ehrenamt als Küchenunterstützung in den aktiven Einsatzdienst der Freiwilligen Feuerwehr gewechselt. Ich unterstütze und helfe gerne anderen, mir tut es nicht weh, etwas zu geben und mich für andere einzusetzen.
Für die vielen Ehrenamtlichen wünsche ich mir mehr Verständnis in der Gesellschaft. Arbeitgeber, die Ehrenämter fördern und die Mitarbeiter dafür auch freistellen. Mehr Sonderurlaubstage für die Ausübung des Ehrenamtes und bessere Anerkennung von Gründen für die Genehmigung von Sonderurlaub.


Manuel Große
Straßenwärter, Bayern

Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Anderen Menschen zu helfen, Kameradschaft und das Arbeiten mit verschiedenen Geräten und Ausrüstungen bereichern mein Leben, das motiviert mich. Für meine Kolleg*innen und mich im Freiwilligendienst würde ich mir wünschen, dass der Arbeitgeber das Ehrenamt zu jeder Zeit toleriert und seinen Beschäftigten die Möglichkeit bietet, dafür seinen Arbeitsplatz zu verlassen, wenn es der Einsatz erforderlich macht. Insbesondere, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen.


Philipp Mierzwa
Projektleiter Digitalisierung, Hessen

Ich bin Teil des Leiterteams des Sommerzeltlagers Dutzenthal. Das ist ein jährlich stattfindendes Kinderzeltlager der Katholischen Kirchengemeinde Maria Himmelfahrt aus Königstein im Taunus. Wir betreuen hier ca. 40 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren.
Kinder- und Jugendfreizeiten betreue ich seitdem ich denken kann. Angefangen habe ich als Pfadfinder, später war ich Betreuer bei ökumenischen Fahrten ins französische Taizé und dass ich heute noch das Zeltlager Dutzenthal betreue, hätte ich am Anfang bestimmt nicht gedacht.
Vermutlich ist es schwierig, Nicht-Ehrenamtler*innen zu erklären, weshalb man jedes Jahr zwei Wochen damit verbringt, in einem Zelt auf einer Isomatte zu schlafen, kein fließendes Wasser zu haben und jeden Tag von früh morgens bis tief in die Nacht auf den Beinen ist. Wenn wir aber dann abends am Lagerfeuer in strahlende Kinderaugen schauen und gemeinsam „Alles nur geklaut“ oder „Ein Kompliment“ singen, dann gibt es einfach nichts Schöneres. Darüber hinaus organisiere ich das Lager mit einem tollen Team, mit dem es großen Spaß macht, und das Gemeinschaftsgefühl sowohl unter den Leiter*innen als auch mit den Kindern ist jedes Mal wieder unglaublich.
Seien wir doch mal ganz ehrlich: Ohne dieses ehrenamtliche Engagement würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Es wird aber leider häufig immer noch als „Hobby“ oder „Privatvergnügen“ abgetan, wenn sich Menschen für andere einsetzen. Daher wünsche ich mir mehr Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement, auch durch Arbeitgeber und Dienstherren. Hierfür gibt es teilweise schon gute Ansätze. In Hessen beispielsweise ist die Förderung des Ehrenamtes als Verfassungsgrundsatz aufgenommen worden und Ehrenamtler*innen können einen zusätzlichen Urlaubstag erhalten. Das ist immerhin ein Anfang – muss aber weiter ausgebaut und dann auch in der Praxis gelebt werden.

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