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Sinkende Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt

Perspektiven der beruflichen Bildung stärken

Ob Arbeiter*innen, Angestellte oder Beamt*innen – alle im Alter zwischen 16 und 30 Jahren werden von der dbb jugend im Berufsleben unterstützt und als gesellschaftspolitische Kraft in der Öffentlichkeit vertreten.

 

Die angespannte Corona-Situation, die demographische Entwicklung und die Verschiebung hin zu höheren Schulabschlüssen belasten den Ausbildungsmarkt. Immer weniger junge Menschen beginnen nach der Schule eine duale Ausbildung. Die dbb jugend fordert bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, um Schulabgängerinnen und Schulabgänger von einem Ausbildungsweg im öffentlichen Dienst zu überzeugen.

Viele Betriebe sehen in der Ausbildung junger Menschen eine Investition in die Fachkräftesicherung. Jedoch wird es zunehmend schwieriger, genügend junge Menschen für die duale Ausbildung zu begeistern und offene Ausbildungsplätze mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen. 2020 gingen sowohl das Ausbildungsangebot der Betriebe als auch die Nachfrage junger Menschen nach einer Ausbildung nahezu parallel zurück. Neben den Effekten der Corona-Pandemie ist der Ausbildungsmarkt geprägt von der demographischen Entwicklung und die Verschiebung hin zu höheren Schulabschlüssen sowie zu vollzeitschulischen Ausbildungen. „Die Schrumpfung des Ausbildungsmarktes besorgt mich zutiefst. Denn wir brauchen dringend gut ausgebildete Fachkräfte, damit unsere Wirtschaft nach der Pandemie schnell wieder wächst. Hier bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller an der beruflichen Bildung beteiligten Akteure“, sagte die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek anlässlich der Veröffentlichung des Berufsbildungsberichtes 2021 der Bundesregierung am 5. Mai 2021. Der Bericht zeigt einen Rückgang des Ausbildungsangebotes der Betriebe um 8,8 Prozent auf 527.400. Gleichzeitig sank die Ausbildungsnachfrage auf 496.800. Das sind 9,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen ist um 12,8 Prozent auf 59.900 gestiegen. Insgesamt 29.300 Bewerberinnen und Bewerber sind ohne Ausbildungsplatz geblieben. Das sind 19,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die gute Nachricht: Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer schulischen Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs-, und Sozialwesen ist gestiegen. „Die Corona-Pandemie führt uns gerade die Wichtigkeit dieser Berufsgruppen für unser Gemeinwesen eindrücklich vor Augen“, so die Bundesbildungsministerin.

Ausbildungssituation im öffentlichen Dienst

Vergleichsweise geringe Rückgänge wies der öffentlichen Dienst mit 14.646 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 2020 auf. Hier wurden insgesamt 441 Verträge (-2,9 Prozent) weniger abgeschlossen als 2019. Am Stichtag 30. Juni 2019 befanden sich rund 250.700 Personen (2018: 235.300) in einer Ausbildung im öffentlichen Dienst. 136.100 (2018: 128.400) absolvierten ihre Ausbildung in einem Beamtenverhältnis. 24.000 (2018: 24.000) hatten einen Ausbildungsvertrag im Rahmen eines Hochschulstudiums oder im Anschluss an ein solches abgeschlossen, ohne in ein Beamtenverhältnis übernommen zu werden. Für die übrigen Ausbildungsberufe wurden 90.500 (2018: 82.900) Auszubildende gemeldet. Dabei handelt es sich überwiegend um Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder der Handwerksordnung (HwO) sowie für Gesundheitsfachberufe und zu Erzieherinnen und Erziehern.

Entwicklung des betrieblichen Ausbildungsangebots nach Zuständigkeitsbereichen

 

Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen verbessern

Es ist eine gute Strategie, den Fachkräftebedarf durch berufliche Aus- und Weiterbildung zu sichern, denn dadurch gewinnen die Arbeitgeber genau die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den eigenen betrieblichen Anforderungen am besten entsprechen. Doch die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern, damit sich mehr junge Menschen für entsprechende Ausbildungsberufe entscheiden. Schulabgängerinnen und Schulabgänger wollen attraktive Rahmenbedingungen wie eine angemessene Bezahlung, Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Für die dbb jugend gehören ein faires Gehalt und weitere finanzielle Anreize zu den wichtigsten Ausbildungsbedingungen. „Junge Menschen muss es möglich sein, finanziell unabhängig und gesichert leben zu können. Sie müssen sich voll und ganz auf ihre Ausbildung konzentrieren können“, so die dbb jugend Chefin Karoline Herrmann. Die dbb jugend setzt sich dafür ein, dass die Auszubildenden an der allgemeinen Einkommensentwicklung teilhaben. „Es darf keine Abkopplung der Auszubildendenvergütungen von den allgemeinen Vergütungserhöhungen geben. Einmalzahlungen und lineare Erhöhungen müssen für die jungen Nachwuchskräfte ebenso gelten wie für die übrigen Beschäftigten.“

Qualität der Ausbildung sichern

Um eine qualitativ hochwertige Ausbildung sicherzustellen, müssen sich aus Sicht der dbb jugend zudem die Ausbildungsinhalte regelmäßig an die zeitlichen Erfordernisse anpassen. „Die Auszubildende müssen stärker als bisher in die Lage versetzt werden, sich in wechselnden Rahmenbedingungen zu bewegen und dabei das richtige Verständnis und den angemessenen Umgang mit den komplexen Anforderungen an das gewählte Berufsbild zu entwickeln“, so Herrmann. Die dbb jugend plädiert dafür, dass die Ausbildung an den Berufsschulen nicht durch Lerninhalte überlagert wird, die dem allgemeinbildenden Schulbereich zugeordnet sind. Die Ausbildung soll durch qualifiziertes Personal erfolgen, das auch in dem Tätigkeitsfeld beschäftigt ist, in dem die Nachwuchskräfte später tätig werden.

Aufstiegs-und Entwicklungsmöglichkeiten

Ein modernes Dienstrecht ohne die bisher geltenden starren Laufbahngrenzen ist nach Auffassung der dbb jugend ebenfalls notwendig, um junge und qualifizierte Menschen für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. „Mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten demotivieren junge Menschen. Es geht nicht nur darum zu schauen, was sie in der Ausbildung verdienen können, sondern auch, was sie innerhalb ihres Berufes erreichen können“, sagt die dbb jugend Chefin. „Nur durch attraktive Ausbildungsbedingungen können junge Menschen für den öffentlichen Dienst gewonnen und die Nachwuchsfrage und der Fachkräftemangel gelöst werden.“

Informationen über Ausbildungswege im öffentlichen Dienst gibt es in der Broschüre „START“ der dbb jugend.

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