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dbb forum Öffentlicher Dienst

Digitalisierungseuphorie oder KI-Wahnsinn?

Fragen der Einführung und Anwendung digitaler Verwaltungssysteme standen im Vordergrund des 4. dbb forum ÖFFENTLICHER DIENST am 18. Juni 2019 in Berlin. Die dbb jugend war vertreten durch den stellvertretenden Bundesjugendleiter Philipp Mierzwa. „Ich finde es stark, dass der dbb das Thema Digitalisierung derzeit auf allen Ebenen beackert und immer wieder an den Faktor ‚Mensch‘ erinnert. Das ist wichtig und richtig“, so Mierzwa. „Darüber hinaus finde ich es sehr bemerkenswert, dass mit Stefanie Hecht von Fraunhofer FOKUS und Carla Hustedt von Bertelsmann zwei junge Frauen die Veranstaltung als kompetente Referentinnen bereichert haben. Es ist nämlich ganz entscheidend, dass alle Generationen bei diesem Thema Hand in Hand zusammenarbeiten! Denn nur dann gelingt eine Umsetzung, die auch alle Akteure zufriedenstellt“, betonte der dbb jugend Vize.

Mehr Mut zu unkonventionellen Lösungen

Angesichts der Herausforderungen durch die Digitalisierung des öffentlichen Dienstes verlangte dbb Chef Ulrich Silberbach beim Forum mehr Mut zu unkonventionellen Lösungen. „Wenn wir konstatieren, dass staatliches Handeln sich nachhaltig verändert und der Staat vermehrt als Dienstleister wahrgenommen wird, können wir auch über neue Infrastrukturen nachdenken“, so der dbb Chef.
Denkbar, so Silberbach, seien auch Ideenwerkstätten und Experimentierräume, in denen „Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaft und Startups gemeinsam an der digitalen Zukunft arbeiten“. Wichtig sei dabei aber, dass die so entwickelten Lösungen dann auch wirklich flächendeckend umgesetzt würden. „Versuchslabore können neue Impulse setzen – weitere Insellösungen, wie wir sie bisher bei der Digitalisierung der Verwaltung so oft kennengelernt haben, müssen dagegen unbedingt vermieden werden“, machte der dbb Bundesvorsitzende deutlich.

Aktuelles Lagebild: „Realistische Euphorie“

Großes Interesse an den As-pekten der Digitalisierung des öffentlichen Dienstes herrschte beim dbb forum Öffentlicher Dienst, an dem auch dbb ju-gend Vize Philipp Mierzwa teilnahm.

Ein aktuelles Lagebild zum digitalen Wandel in den Behörden und Verwaltungen lieferten Jörn Riedel, CIO und stellvertretender Leiter des Amts für IT und Digitalisierung der Freien und Hansestadt Hamburg, und Ernst Bürger, Unterabteilungsleiter Verwaltungsdigitalisierung im Bundesinnenministerium (BMI).
Hier wie dort arbeitet man derzeit mit Hochdruck an der Umsetzung des E-Governments. Insbesondere gilt es, die Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes (OZG) zu erfüllen: Bis 2022 sollen insgesamt 575 Dienstleistungen von Bund, Ländern und Kommunen online angeboten werden. Mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen entwickeln mittlerweile mehr als zwei Dutzend interdisziplinäre und interföderale Teams, berichtete Ernst Bürger, und die Feedbacks und Fortschritte seien „durchaus ermutigend“. Erstmals gehe man den Transformationsprozess nach der „Multi-Stakeholder-Methode“ an, das heißt, alle Beteiligten, von den Juristen über die Sachbearbeitenden, die IT-Designenden bis hin zu Bürgerinnen und Bürger sitzen sinnbildlich an einem Tisch und gestalten die digitalen Dienstleistungen gemeinsam, nutzerorientiert und agil. „Die Fortschritte, die wir hier erzielen, stimmen optimistisch, dass wir jetzt wirklich etwas bewegen und auf die Beine stellen“, so Bürger.
Aus Hamburg berichtete CIO Jörn Riedel ähnlich Positives und beschrieb die Gemütslage der Digitalisiererinnen und Digitalisierer von Amts wegen als „realistische Euphorie. Am Ende werden wir nicht alles digitalisiert haben, aber das Wichtigste“, so Riedel und betonte, dass die Digitalisierung grundsätzlich auch Gelegenheit zur Entbürokratisierung und Prozessoptimierung biete. So nutze man die Transformation in Hamburg, um Prozesse mit allen Beteiligten auf ihren Sinn und ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen, was in nicht wenigen Fällen dazu führe, dass die Dinge grundlegend verbessert würden. Ohnehin habe die Hansestadt bei ihren Digitalisierungsbestrebungen nicht nur den öffentlichen Dienst in den Blick genommen, sondern begreife das Transformationsprojekt als Gestaltungsanspruch für die gesamte Stadt: „Alle Ressorts machen sich Gedanken zu Digitalisierungsvorhaben und entwickeln konkrete Projekte als Ergebnis“, so Riedel. Das Amt für IT und Digitalisierung, angesiedelt direkt in der Senatskanzlei und daher mit oberster Priorität versehen, diene dabei als zentrale Anlaufstelle und Motor für alle Digitalisierungsvorhaben, inklusive der rechtlichen Grundsatzangelegenheiten.
Gemeinsam warben Bürger und Riedel dafür, die digitale Transformation positiv als große Gestaltungschance für den öffentlichen Dienst zu betrachten. Es verstehe sich von selbst, so Bürger, dass die Ängste und Befürchtungen der Beschäftigten aufgegriffen, moderiert und möglichst vollständig ausgeräumt werden müssten, darin seien sich alle politischen Entscheider mittlerweile einig, und es werde interministeriell an entsprechenden begleitenden Projekten mit Fokus auf Ermutigung und Befähigung der Menschen im öffentlichen Dienst in Sachen Digitalisierung gearbeitet. Die beiden E-Government-Experten betonten, dass es sich bei der Digitalisierung nicht nur um einen technischen, sondern vor allem auch um einen gesellschaftlichen und arbeitskulturellen Zeitenwandel handele, der in seinen Auswirkungen nicht unterschätzt werden dürfe. Bürger: „Die Menschen in der Bundesrepublik wissen, dass sie in einer der reichsten Industrienationen der Erde leben. Aber wenn sie sich so umschauen, beschleicht sie der Eindruck, dass das eigentlich nicht sein kann: marode Schulen, kaputte Straßen und Brücken, schlechte Netzabdeckung – das führt zu Vertrauensverlusten, und deswegen ist die digitale Infrastruktur ein ganz wesentlicher Faktor für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“ Mit dem Thema E-Government könne man zwar keine Wahl gewinnen, aber durchaus eine verlieren, warnte Bürger. Auch für den Berufsnachwuchs im öffentlichen Dienst sei ein modernes digitales Arbeitsumfeld zunehmend wichtig, unterstrichen Riedel und Bürger. „Die jungen Menschen erwarten einen Arbeitsplatz, an dem man respektvoll mit ihnen umgeht, dazu gehören Einkommens- und Vereinbarkeitsaspekte ebenso wie modernes Arbeitsgerät und ein anständiger Umgang mit den Zeit- und Personalkapazitäten“, sagte Jörn Riedel. Ein Personalabbau durch zunehmende Automatisierung sei nicht zu erwarten, zeigten sich die Fachleute überzeugt: „Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Technologiesprünge bislang immer zu mehr Arbeit als zuvor geführt haben“, so Ernst Bürger.

Raus aus dem „Silo“-Denken, rein in den Prozess

„Realistische Euphorie“: Unter anderem diskutierten Ernst Bürger (BMI), Jörn Riedel (Hamburg), Stefanie Hecht (Fraunhofer FOKUS) und Carla Hustedt (Bertelsmann) Status quo, Chancen und Risiken des E-Governments.

Stefanie Hecht vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS und Friedrich Fuß, Chief Digital Officer der Stadt Bonn, sprachen über die Gelingens-Bedingungen der Digitalisierung. „Digitale Transformation funktioniert nur, wenn die dafür notwendigen Methoden und Denkweisen abteilungsübergreifend etabliert werden, und das bezieht sich keineswegs nur auf IT-Angelegenheiten“, stellte Fuß, ehemaliger Technischer Geschäftsführer der Telekom, klar. Dieser „gewaltigen Veränderungsprozess“ löse nicht selten Ängste aus, so der Praktiker. „Die Veränderungen machen unsicher, und ich suche konkret Lösungen für das, was als Problem beschrieben wird.“ Wichtiges Ziel seines Coachings: Die Menschen aus dem „Silo-Denken“ zu führen, nach dem Verwaltung organisiert ist, und sie mit prozessorganisiertem Denken und Arbeiten vertraut zu machen. Stefanie Hecht informierte über den Geschäftsbereich Digital Public Services (DPS) von Fraunhofer FOKUS, in dem die Forschungsaktivitäten zu E-Government und Öffentlicher IT zusammenlaufen: Politik, Verwaltung und Wirtschaft sollen bei der strategischen Umsetzung von passgenauen und sicheren IT-Lösungen im öffentlichen Raum und in der öffentlichen Verwaltung unterstützt werden. IT-Projekte könnten nutzerfreundlicher gestaltet, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig einbezogen werden, so Hecht: „Dann verbessert sich die Gebrauchstauglichkeit, die so genannte Usability der Software, signifikant, teure Fehlentwicklungen werden vermieden und die Akzeptanz steigt.“

Fort- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg

Auf den entscheidenden Faktor Qualifizierung der Beschäftigten im Zuge der Digitalisierung gingen Jutta Lang, Generalsekretärin der Führungsakademie Baden-Württemberg, und Daniel Troll, Abteilungsleiter für Grundsatzangelegenheiten der Digitalisierung und digitalen Lehre bei der Verwaltungsakademie (VAk) Berlin, ein – Fort- und Weiterbildung gelten als Schlüssel zum Erfolg des Transformationsprozesses, und hier gelte es, die jeweilige Zielgruppe mit entsprechenden Qualifizierungsformaten anzusprechen. So berichteten Lang und Troll, dass Führungskräfte, von denen angenommen werden darf, dass sie schon länger im Berufsleben stehen und entsprechend lebensälter sind, für digitale Lernformate weit weniger aufgeschlossen seien. Daher verzichtet etwa die Führungsakademie Baden-Württemberg fast vollständig auf solche Formate, sondern setzt – das allerdings mit großem Erfolg – auf „klassische“ Präsenzformate und entsprechende gruppendynamische Prozesse. Troll bestätigte, dass Distanzlernen, „Learning Nuggets“ und Wikis in der Ausbildung (entsprechend jüngerer Kolleginnen und Kollegen) wesentlich besser angenommen werden würden.

Künstliche Intelligenz: Vom Hype in den Alltag

Carla Hustedt vom Bertelsmann Projekt Ethik der Algorithmen und Matthias Flügge vom Fraunhofer FOKUS – Institut für Offene Kommunikationssysteme gingen auf Chancen und Grenzen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung ein. In verwaltungstechnischen Verfahren, in denen die KI nur unterstützend und vorbereitend eingesetzt wird, stehe die „KI-Ampel“ klar auf grün, findet Matthias Flügge, der flächendeckende Einsatz von KI sei hier unproblematisch. Anders sei es bei der Automatisierung von Entscheidungsprozessen selbst und bei selbstlernenden Systemen. Hier stehe die KI-Ampel mindestens auf „dunkelgelb“, denn, so Carla Hustedt, „wir sollten keine Angst vor der Intelligenz der KI-Systeme haben, sondern vor ihrer Dummheit“. Allein die Effizienzsteigerung durch flächendeckende Automatisierung von Entscheidungsprozessen erfordere verbesserte Kontroll- und Beschwerdemechanismen, betonte Hustedt. „Wenn zum Beispiel die australische Sozialverwaltung 200.000 automatisiert erstellte Mahnschreiben verschickt, von denen mehrere tausend fehlerhaft sind, braucht man dringend auch leistungsfähige Hotlines und Beschwerdesysteme.“ Beide Experten waren sich einig, dass es eine breite gesellschaftliche Debatte über die Grenzen des Einsatzes von KI in der Verwaltung geben muss, ebenso wie eine regelmäßige Wirkkontrolle, einen Kompetenzaufbau auf allen Ebenen sowie mehr Transparenz bei Erstellung und Einsatz der technischen Grundlagen. Ende

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FLORIAN SCHÜTZ
Stellvertretender Vorsitzender
dbb jugend

Verwaltung in 10 Jahren - wie stellst Du Dir das vor?

Ich bin jüngst umgezogen und kann mich noch entsinnen, wie unpassend da ein Besuch auf den Ämtern war, wo man doch ohnehin gerade den Kopf ganz wo anders hat. Schnell geschaltet war hingegen meine Internetleitung. Quasi bevor der erste Karton im Eigenheim stand, war ich digital erreichbar. Wie schön wäre es da gewesen, wenn ich einfach meine Ummeldung online hätte durchführen können. Auch mein Auto hätte ich gerne von Zuhause aus umgemeldet. Zugegebenermaßen ist das noch leichte Utopie, denn mein Drucker kann leider nicht meinen Personalausweis ändern oder einen neuen Fahrzeugschein drucken. Aber ist erstmal ein Wille ausgesprochen, so ist auch der Weg geschaffen. Den gilt es nur noch zu ebnen – und zwar durch uns: Die Jugend. Ich stelle mir die Verwaltung in 10 Jahren innovativ und agil vor. Bürger erreichen uns über diverse Kommunikationswege und wir helfen ihnen – genauso flexibel und passgenau wie sie uns erreichen können. Aus dem eigenen Berufsumfeld weiß ich leider, wie zeitaufwändig und lästig viele bürokratische Prozesse heute sind. Ja, Papier ist geduldig, aber sind es digitale Datensätze nicht noch umso mehr?

KI im öffentlichen Dienst – Risiko oder Chance?

Zurück zur Ummeldung: Durch meine Erfahrung bei meinem letzten Umzug habe ich wieder gemerkt, wie schlecht vernetzt unser öffentlicher Dienst ist. Nun braucht man für die Adressänderung eines 08/15-Bürgers noch nicht einmal künstliche Intelligenz, da reicht eine gut arbeitende Datenbank. Spannender wird es bei der Verfolgung von Verbrechen und Ordnungswidrigkeiten. Eine künstliche Intelligenz kann unseren Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei, der Steuerfahndung, den Ordnungsbehörden etc. helfen, Fälle aufzuklären. Dazu müssen wir allerdings nicht nur den juristischen Weg ebnen, sondern auch den technischen und qualifizierenden.

Mensch? Oder Maschine?

Zwei Dinge sind zu tun: Wir müssen lernen, mit der Digitalisierung und KI umzugehen. Dazu müssen wir von unseren Dienstherren und Arbeitgebern ausgebildet werden. Denn eine try-and-error-Mentalität ist bei einem solch existenziellen Meilenstein nicht angebracht. Des Weiteren müssen die Maschinen lernen, wie wir arbeiten. Nur durch unseren Input und unser Knowhow wird etwas Künstliches auch intelligent. Ich streiche somit das Wort „Oder“ in dieser Frage und behaupte „Mensch UND Maschine“ sind unsere Zukunft.

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Bundesverwaltungsamt

Beihilfe-App für Bundesbedienstete

Immer mehr aktive und pensionierte Bundesbedienstete können ihre Erstattungsanträge für die Beihilfe mittlerweile bequem mobil über eine App stellen. So können Belege mit dem Smartphone abfotografiert und unkompliziert an die Beihilfestelle verschickt werden Ein separater Antrag oder das Nachreichen der Belege in Papierform ist nicht erforderlich. Zum 26. Juni 2019 gab das Bundesverwaltungsamt als zentraler Dienstleister des Bundes bekannt, dass der Roll-out erneut auf zahlreiche Behörden und Dienststellen ausgedehnt wurde und demnächst für den Bereich des Bundes sogar vollständig abgeschlossen sein wird. Stand heute können jetzt auch alle Behörden der Zollverwaltung einschließlich der Generalzolldirektion die App für die Beantragung von Beihilfen nutzen, bis Ende Juli 2019 wird die Beihilfe-App für alle aktiven und ehemaligen Bundeswehrangehörigen nutzbar sein. Alle Beihilfeberechtigten werden individuell mit dem nächsten Beihilfebescheid informiert, dass sie die Beihilfe-App nutzen können.

Mehr Infos und ein Video-Tutorial gibt es hier online. Ende

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Rhetorikseminar:

Schlagfertig durchstarten

„Habe einen eigenen Plan, sonst wirst du immer Teil des Plans von anderen Menschen.“ Diesen und weitere prägnante Merksätze bekamen die Teilnehmenden des dbb jugend Rhetorikseminars „Schlagfertig durchstarten in Politik und Ehrenamt“ mit auf den Weg. Vom 28. bis 30. Juni 2019 lernten sie im dbb forum siebengebirge in Königswinter von Rhetoriktrainer und Radiosprecher Michael Vetter, was für eine erfolgreiche Kommunikation wichtig ist. In Rollenspielen und Versuchen ging es um Strategien und Möglichkeiten, Sprache zu nutzen. „Insbesondere die Analyse von Stärken und Schwächen und das Überwinden rhetorischer Hürden haben jede und jeden von uns deutlich weitergebracht“, sagte Seminarleiter Florian Schütz, stellvertretender Vorsitzender der dbb jugend. „Dank des maßgeschneiderten Programms gab es reichlich praxisnahe Übungen, um künftig noch sicherer und zielgerichteter kommunizieren zu können.“ Ende

 
 

 

Jugendpolitisches Seminar der Friedrich-Naumann-Stiftung

Austausch über Equal Pay und Frauenförderung

Treffen in Gummersbach: Teresa Froitzheim (dbb jugend) und Johannes Dallheimer von den JuLis.

Dreimal im Jahr organisiert die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach ein jugendpolitisches Seminar, bei dem sich jeweils rund 100 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet in verschiedenen Arbeitskreisen zu diversen Themen austauschen. Auf Einladung von Johannes Dallheimer (Leiter des Bundesarbeitskreises Gender und Diversity bei den Jungen Liberalen - JuLis) nahm diesmal Mitte Juni für die dbb jugend (Bund) Teresa Froitzheim, stellvertretende Landesvorsitzende der dbb jugend nrw, als Referentin im Arbeitskreis 3 (Gender und Diversity) teil. Thema: insbesondere Equal Pay und Frauenförderung. Hier folgt Teresas Bericht.

Zunächst ging es darum zu klären, was Equal Pay überhaupt ist. Equal Pay bedeutet die finanzielle Gleichstellung zwischen allen Beteiligten am Arbeitsmarkt. Aber was bedeutet eigentlich Gleichstellung? Es geht darum, dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Vorstellung von einem guten Leben zu verwirklichen. Dazu gehören beispielsweise die gleichen Möglichkeiten in der beruflichen Entwicklung und in der Familie und gesellschaftliche Teilhabe. Und dazu gehört auch, dass es unabhängig vom Geschlecht gleiches Geld für gleiche Arbeit geben muss. Derzeit gibt es in Deutschland allerdings einen Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer in Höhe von 21 Prozent. Selbst im öffentlichen Dienst beträgt der Unterschied – auch Gender Pay Gap genannt – noch sechs Prozent bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen. Ein Umstand, der vollkommen inakzeptabel ist und besser gestern statt heute oder, schlimmer, morgen, zwingend beseitigt werden muss. Hierzu wird die dbb jugend auch weiterhin ihren Beitrag leisten und nicht leise sein, bis Equal Pay erreicht ist.

Ursachen erkennen und verändern

Im Arbeitskreis wurde rege diskutiert, woher diese Unterschiede kommen und wie dagegen vorgegangen werden kann. Vor allem den Jüngeren war es noch nicht klar, dass es diese Unterschiede in der Bezahlung überhaupt gibt. Insofern muss an dieser Stelle das Bewusstsein noch stärker geschärft werden, damit das Thema weiter vorangetrieben wird – gerade von den jungen Kolleginnen und als Zeichen der Wertschätzung auch von den männlichen Kollegen. Denn eine weitere Erkenntnis lautet: Viele Themen, bei denen es sich vordergründig um „Frauen“-Themen handelt, sind grundsätzlich viel weitreichender. Deshalb ist die Thematik Einkommensgerechtigkeit global anzusetzen, Lösungsstrategien müssen möglichst weiträumig und umsichtig entwickelt werden.
Ein Beispiel für diese Problematik im öffentlichen Dienst sind die Beurteilungen, die fairer gestalten werden müssen. Teilzeitanteile und Elternzeitanteile betreffen nicht nur Frauen, aber wirken vor allem für Frauen negativ auf Beurteilungen und Beförderungsmöglichkeiten aus. In Nordrhein-Westfalen fordern Beurteilungsrichtlinien ein hohes Maß an „Unvoreingenommenheit und Gewissenhaftigkeit“ von den Beurteilenden. Andere weisen darauf hin, dass „unbewusste Tatsachen, wie das Vorliegen einer Teilzeitbeschäftigung oder das Geschlecht der Beschäftigten Einfluss auf die Beurteilung haben können“ bzw., dass „geschlechterspezifische Ausgangsbedingungen und Auswirkungen angemessen reflektiert werden sollen“. Gemeinsames Ziel dieser Formulierungen ist es, das Bewusstsein der Beurteilenden für eine mögliche Benachteiligung zu schärfen und dadurch einer, möglicherweise auch nur unterbewussten, Voreingenommenheit entgegenzuwirken. Problematisch an diesen grundsätzlich guten Ansätzen ist jedoch – auch das muss gesagt werden – vor allem, dass sie unpräzise sind. So warnen sie zwar vor einer Benachteiligung, führen aber nicht konkret aus, wie sich diese ausdrücken könnte. Damit bleibt das Thema der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung der bzw. des Beurteilenden überlassen. Beim Vergleich des Beschäftigungsumfangs mit den Beförderungsquoten lässt sich feststellen, dass besonders Frauen im Alter von 31 bis 47 Jahren, also während der Familienphase, häufig ihre Arbeitszeit reduzieren und gleichzeitig besonders selten bei Beförderungen berücksichtigt werden (Quelle: vierter Landesgleichstellungsbericht NRW) – genau das gilt es ja zu vermeiden. Ziel ist es nicht, dass der Spieß jetzt umgedreht werden muss und nur noch Frauen in Führungspositionen vorhanden sein sollen. Vielmehr ist ein Gleichgewicht in allen Aspekten der Thematik erstrebenswert.

Hier noch einmal zwei O-Töne aus den Reihen von dbb und JuLis zum Thema:

„Es kann doch nicht sein, dass wir im 21. Jahrhundert in einen Koalitionsvertrag schreiben müssen, dass die Bundesregierung im öffentlichen Dienst die Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen bis 2025 umsetzen will!“ (Ulrich Silberbach, dbb Bundesvorsitzender)

„Für uns sollte zumindest klar sein: Wenn wir Frauen fördern können, sollten wir es tun. Wir sollten Frauen so behandeln, wie wir behandelt werden wollen. Und vielleicht sogar ein bisschen netter. Es ist unsere Zeit gemeinsam aufzustehen. Und nicht die, uns gegenseitig im Weg zu stehen.“ (Ria Schröder, Bundesvorsitzende JuLis)

Auch beim Abendprogramm ging die lebhafte Diskussion, nicht nur zu diesem Thema, in Gummersbach weiter. Von Politikmüdigkeit oder gar -verdrossenheit keine Spur! Die Seminar-Teilnehmenden waren sich einig, dass politische Willensbildung für einen lebendigen demokratischen Staat essentiell ist – und, mit Blick auf das Thema Gleichstellung, weitere Wege beschritten werden müssen, damit junge Menschen und insbesondere junge Frauen begeistert werden, sich zu engagieren und ehramtlich tätig zu werden.

Mein Dank für diesen informativen und spannenden Austausch und Dialog auf Augenhöhe geht auch hier nochmal an Johannes Dallheimer und die Friedrich-Naumann-Stiftung – es war eine tolle Erfahrung, der hoffentlich noch viele weitere folgen werden. Ende

Teresa Froitzheim
Stellvertretende Vorsitzende
dbb jugend nrw

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Seminar „Jung, smart, digital“

Königswinter erfolgreich digitalisiert

„Jung, smart, digital“ – unter diesem Motto trafen sich vom 14. bis 16. Juni 2019 junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter unter der Leitung von dbb jugend Vize Philipp Mierzwa im dbb forum Siebengebirge in Königswinter zum Digitalisierungs-Seminar. Referentin Janna Gall vermittelte, was eigentlich hinter dem großen Begriff „Digitalisierung“ steckt und wie diese Digitalisierung die Arbeitswelt, das persönliche Arbeitsumfeld und natürlich auch die gesamte Gesellschaft verändert. Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmenden dann, inwiefern Gewerkschaften, Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen Einfluss auf Digitalisierungsstrategien und Digitalisierungsprozesse nehmen können. Auch das Networking untereinander sowie die Möglichkeit, sich über aktuelle drängende Fragen rund um das Thema Digitalisierung und auch darüber hinaus auszutauschen, kamen natürlich nicht zu kurz.
„Als dbb jugend arbeiten wir auf allen Ebenen daran, dass die Beschäftigten bei sämtlichen Digitalisierungsbestrebungen im Mittelpunkt stehen. Ganz nach unserem Leitprinzip: Wir machen Digitalisierung menschlich!“, unterstrich Seminarleiter Philipp Mierzwa. Königswinter sei damit für dieses Mal erfolgreich digitalisiert worden. Ende

   
         
Jung, smart, digital: Rund um Digitalisierung ging es beim Seminar in Königswinter – mit Seminarleiter Philipp Mierzwa und Referentin Janna Gall.

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Die dbb jugend hat ein großes Herz für den öffentlichen Dienst – nicht nur am Internationalen Tag des öffentlichen Dienstes (23. Juni), sondern täglich. Am diesjährigen Ehrentag sagten dbb Bundesjugendleitung und viele andere junge Beschäftigte aus der dbb Familie ganz besonders Danke: „Bei allen, die im öffentlichen Dienst arbeiten und mit ihrem täglichen Einsatz dazu beitragen, dass unser Land lebenswert ist. Die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für andere da zu sein und dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Ein herzliches Dankeschön an jede und jeden der mehr als 4,7 Millionen Kolleginnen und Kollegen! Wir können aus eigener Erfahrung sagen, dass es ein gutes Gefühl ist, Teil des öffentlichen Dienstes zu sein und so entscheidend zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und einem sozialen Rechtsstaat beizutragen. Wir möchten Dich oder Dich oder Dich ermutigen, auch ein Teil unseres Teams zu werden“, so die dbb jugend. Ende

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... darüber berichten wir tagesaktuell auf der Homepage der dbb jugend unter: www.dbbj.de

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