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In Führungsposition bei der Telekom

Jung. Frau. Chef.

Conferencing & Collaboration: Malgorzata Szemik-Plescia ist seit viereinhalb Jahren Teamleiterin im Telefon- und Webkonferenzsegment der Telekom in Frankfurt am Main.

Von Britta Ibald

2010 führte die Telekom als erstes Dax-30-Unternehmen eine Frauenquote ein. „Mehr Frauen an die Spitze“ lautet seitdem die Devise in Europas größtem Telekommunikationsunternehmen – bis Ende 2020 sollen dreißig Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Der Anteil von Frauen in Telekom-Führungspositionen entwickelt sich seitdem durchaus positiv und stieg konzernweit von 19 Prozent im Februar 2010 auf aktuell 25,6 Prozent. Im Vorstand ist Claudia Nemat zuständig für Technologie und IT, Anfang 2019 wird mit Birgit Bohle, noch Vorstandsvorsitzende der DB Fernverkehr AG, die zweite Telekom-Vorständin Einzug halten. Auch in den Telekom-Aufsichtsräten wurde der Frauenanteil erhöht, im Konzernaufsichtsrat liegt er aktuell bei knapp 40 Prozent. t@cker hat eine der Telekom-Frauen in Führungsposition in Frankfurt besucht: Malgorzata Szemik-Plescia.

Die Aussicht ist beeindruckend: Erhaben streckt sich Frankfurts berühmte Skyline in den strahlend blauen Sommerhimmel – Commerzbank Tower, Messeturm, Skyper, Gallileo und Co. kratzen heute nicht an einer einzigen Wolke. „Toll, oder?!“, freut sich Malgorzata Szemik-Plescia. Jeden Tag schaut sie von ihrem Arbeitsplatz auf eines der weltweit wichtigsten Finanzzentren, und auch an ihrem Schreibtisch laufen Fäden zusammen, werden wichtige Entscheidungen getroffen: Die 35-Jährige leitet seit viereinhalb Jahren das Weboperating-Team der Telekom-Sparte „Conferencing & Collaboration Solutions“, die das globale Telefon-, Event- und Webkonferenzenangebot managt und technisch betreut und ihren Hauptsitz in der Mainmetropole hat. „Wenn zum Beispiel die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen verkündet, werden über uns alle Presseagenturen der Welt zusammengeschaltet, damit alle die News gleichzeitig erhalten“, erklärt die Teamleiterin.
Das Geschäft brummt. Dank Telekommunikation und Digitalisierung nutzen die Telekom-Kunden zunehmend Telefon- und Webkonferenzen, um ihre Arbeitsabläufe zu optimieren, Zeit und damit Geld zu sparen. „Dass unser Conferencing personell und technisch komplett ‚made in Germany‘ ist und damit den strengen deutschen Datenschutzstandards unterliegt, ist für viele Kunden ein zusätzliches Argument, sich für uns zu entscheiden“, erklärt Szemik-Plescia. Als Teamleiterin hat sie Personalverantwortung für rund 20 Beschäftigte – Spezialisten für Event-, Telefon- und Webkonferenzen. Hätte ihr das jemand vor zehn Jahren erzählt, als sie ihre Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Telekom gerade abgeschlossen hatte: „Hätte ich nicht gedacht“, schmunzelt die junge Frau.

„Das war echt kein Spaziergang“

„Die Kompetenz ist entscheidend“ und „die Mischung macht‘s“, sagen die Kolleginnen und Kollegen im Team von Malgorzata Szemik-Plescia. Geschlecht und Alter ihrer Chefin spielen keine Rolle.

Erst vor 15 Jahren kam Malgorzata Szemik-Plescia aus Breslau nach Deutschland, obwohl sie in Polen mitten in einem Politikwissenschaftsstudium steckte, das sie zunächst auch weiterführte. „Aber die Pendelei wurde mir dann doch irgendwann zu anstrengend, so dass ich meinen Lebensmittelpunkt schließlich hier in Frankfurt setzte.“ Die deutsche Sprache hatte sich die gebürtige Polin zwischenzeitlich schon gut angeeignet („Ich hab‘ schon immer gerne gelernt.“) und machte sich auf die Suche nach beruflichen Möglichkeiten. „Als ich vom Prinzip der Dualen Ausbildung in Deutschland hörte, war ich total begeistert und wusste, dass das genau mein Ding ist – Theorie und Praxis!“, erinnert sich die Teamleiterin. Mit 22 Jahren begann sie bei der Telekom ihre Ausbildung zur Industriekauffrau. „Ich habe das total genossen, ich war direkt in Projekte eingebunden und durfte unmittelbar mitarbeiten – also diese ‚Ausbildungsklassiker‘ Kopieren und Kaffee kochen gab es hier überhaupt nicht“, erzählt Szemik-Plescia. 2008 beendete sie ihre Ausbildung erfolgreich, mit ihrem Abschluss lag sie unter den besten 10 Prozent konzernweit. Obwohl es in dieser Zeit eigentlich kaum Übernahmen gab, stellte die Telekom Malgorzata Szemik-Plescia im Conferencing-Bereich ein, wo sie fortan arbeitete. Und ihren Job machte sie bestens – sonst hätte sie ihr Chef Michael Holz Anfang 2014 nicht gefragt, ob sie sich nicht auf die ausgeschriebene Teamleitung bewerben wolle. „Natürlich dachte ich erstmal, ich wäre zu jung und unerfahren für diese Aufgabe. Aber dann habe ich mir einfach gesagt, dass mein Chef mir das wohl kaum angetragen hätte, wenn dem so wäre.“ Und so nahm die Bewerbung der jungen Frau ihren Lauf. „Das war echt kein Spaziergang“, erinnert sich die heutige Teamleiterin an das Assessment-Center in Bonn: „Fachlich und persönlich sehr herausfordernd“, es gab zudem einen Mitbewerber aus dem Kreis des betreffenden Teams. Schließlich fiel die Entscheidung für Szemik-Plescia, die in diesem Moment „happy und verunsichert zugleich“ war. „Vorgesetzte von so vielen Leuten, manche davon könnten meine Eltern sein, von der Kollegin zur Chefin, Riesenverantwortung…“, schildert Szemik-Plescia die Gedanken, die ihr damals durch den Kopf gingen. Doch die Reaktion des Teams, als ihr Vorgesetzter ihre neue Position im Meeting bekanntgab, machten der künftigen Führungs-Frau den Start leicht: Spontane Freude, Glückwünsche, auch vom Mitbewerber, professionelle Offenheit. „Und so ist es eigentlich bis heute“, resümiert die Teamleiterin, „ich hatte bislang keine Sekunde das Gefühl, ich würde wegen meines Alters oder meines Geschlechts irgendwie abgelehnt.“ Selbstverständlich krache es auch mal im Team, wenn es um umstrittene Maßnahmen, Vorgehensweisen oder Konflikte gehe. „Aber das bewegt sich ausschließlich auf fachlich-professioneller Ebene.“

„Keine Frau möchte Quotenfrau sein“

„Talent kennt kein Geschlecht“, sagt Michael Holz, der Malgorzata Szemik-Plescia als Vorgesetzter ermutigte, sich auf die Teamleitung zu bewerben.

Schwierig sei eine Führungsposition immer, macht sich die junge Vorgesetzte keine Illusionen, „aber wer Spaß an Herausforderungen und Menschen hat, kommt gut klar“, sagt sie und lächelt den Kollegen an, der gerade mit Sorgenfalten auf der Stirn in ihr Büro kommt. Das teilt sie sich übrigens mit zwei Kolleginnen und einem Kollegen. „Ich weiß, ich weiß“, nickt die Teamleiterin – akuter Personalmangel, urlaubs- und krankheitsbedingt. Der Kollege weiß nicht so recht, wie er all die aktuell anstehenden Webkonferenzen, die teilweise auch noch parallel stattfinden, alleine managen soll. „Das bekommen wir hin, versprochen, ich kümmere mich drum“, sagt „Gosia“, wie die Kollegen sie nennen. „Da wir hier weltweit 24/7 im Schichtdienst arbeiten, gibt es eigentlich nie eine richtig ruhige Zeit, und wenn dann Urlaube und Krankheit gehäuft auftreten, wird es eng. Aber wir packen dann alle mit an“, versichert sie, und auch der Gesichtsausdruck des besorgten Kollegen entspannt sich. „Alles gut. Wenn Gosia das sagt, kann man sich drauf verlassen“, weiß er. Wir fragen in die Runde: Alter? Geschlecht? Kommt’s beim Chef auf sowas an? „Die Kompetenz ist entscheidend, der Rest ist mir breit wie lang“, stellt eine Kollegin lapidar fest, ein anderer Kollege betont, dass eine „gesunde Ausgewogenheit“ entscheidend sei – „jeder bringt sich ein, die Mischung macht’s“. Ist sie eine Quotenfrau – wo sich der Konzern der Frauenquote doch so lautstark und öffentlichkeitswirksam verschrieben hat? „Nein“, sagt Malgorzata Szemik-Plescia ganz entschieden und selbstbewusst. „Ich weiß, was ich kann und was ich leiste, und das wird hier auch abgerufen. Würde ich nicht liefern, wäre ich nicht mehr in dieser Position.“ Auch der Chef schüttelt vehement den Kopf. „Talent kennt kein Geschlecht. Auch kein Alter, keine Herkunft, keine Religion“, sagt Michael Holz. „Entscheidend sind ganz allein Kompetenz, Know-how und Leistung, und hier überzeugt die Kollegin in jeder Hinsicht.“

Da geht noch was: Malgorzata Szemik-Plescia wünscht sich noch mehr Frauen in Führungspositionen.

Teamleiterin Szemik-Plescia betrachtet die Quote nicht ideologisch, sondern eher pragmatisch. „Ganz ehrlich: Keine Frau möchte Quotenfrau sein. Aber in manchen Bereichen geht’s vielleicht einfach nicht ohne Quote. Besser wäre es natürlich, wenn wir den Effekt auch ohne so ein Instrument erreichen würden.“ Die Telekom biete Frauen viele Chancen. „Die müssen wir dann aber auch nutzen“, betont sie. „Oft hadern wir mit uns und unserem Können“, gibt die 35-Jährige zu bedenken, „sich selbst und selbstbewusst zu vermarkten, liegt in der Regel nicht in unserer Natur, dabei sollte das selbstverständlich sein: Man muss eine Sache wollen, und wenn man sie will, soll man es einfach versuchen, sie zu bekommen. Was ist schon schlimm daran, wenn es nicht klappt? Dann eben ein anderes Mal!“, rät sie. Entscheidend sei, sich selbst treu und authentisch zu bleiben. „All das ist machbar“, weiß die Teamleiterin mit ihrer Erfahrung im Gepäck.
Malgorzata Szemik-Plescia wünscht sich jedenfalls noch viel mehr Frauen in Führungspositionen und darf sich zumindest bei ihrem Arbeitgeber sicher sein, dass das Ende der Fahnenstange hier noch lange nicht erreicht ist. Zum einen sei alles nicht zuletzt auch eine Frage der Generation. „Es ist doch toll, wenn in meinem Team heute junge Väter ganz selbstverständlich auch in Elternzeit gehen und keiner mehr mit den Augen rollt. Auch das ist übrigens Führungsaufgabe: Das Ermöglichen und Vorleben von Geschlechtergerechtigkeit.“ Und wenn dann den Frauen doch wieder die „Biologie“ in den Weg kommt? „Das ist die falsche Betrachtungsweise – da kommt nichts ‚in‘ den Weg, sondern macht sich ‚mit uns auf den Weg‘“, stellt Malgorzata Szemik-Plescia klar. „Glücklicherweise tut zumindest mein Arbeitgeber schon sehr viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mit verschiedensten Elternzeit- und flexiblen Arbeitszeitmodellen und Kinderbetreuungsangeboten. Dass das nicht überall so ist, ist natürlich auch klar. Aber zumindest ist das Bewusstsein für diese Umstände heute schon viel, viel sensibler als früher“, ist die Teamleiterin optimistisch. An eine Familiengründung denkt die 35-Jährige deswegen zwar noch nicht, aber ihre Freude an neuen Herausforderungen ist ungebrochen – so hat Szemik-Plescia, die sich auch in der Kommunikationsgewerkschaft DPVKOM engagiert, vor einiger Zeit ein Fernstudium der Psychologie aufgenommen, für das sie nun morgens vor der Arbeit immer lernt. Mit einem Schulterzucken und entwaffnendem Lächeln kommentiert sie das ungläubige Staunen ihres Gegenübers. Jung. Frau. Chef. Da geht noch was.

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