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Bauverwaltung Oranienburg

Lebenswert für alle

 
     
Strahlendes Stadtzentrum: Oranienburg im Norden der Metropole Berlin hat sich von der „grauen Maus im Schatten der Mauer“ zu einem attraktiven Lebensstandort ent-wickelt – einen wesentlichen Anteil daran trägt die kommunale Bauverwaltung.

Von Britta Ibald

Die Stadt Oranienburg nördlich von Berlin galt vor der Wende als graue Maus im Schatten der Mauer. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war das Stadtzentrum massiv zerstört worden, und auch nach der deutschen Wiedervereinigung hielt sich das Klischee der tristen „Bombenstadt“ recht hartnäckig. Unschöne weitläufige Brachen und ehemalige Militäranlagen prägten das Bild, die hunderte Jahre alte Havelstadt erlangte mehr Bekanntheit durch tausende von Bombenblindgängern als durch barocke Pracht. Wer heute nach Oranienburg kommt, hat das Gefühl, als habe jemand das Licht angeknipst: Strahlend und stolz prägt das sanierte Barockschloss den wiederbelebten historischen Stadtkern, nebenan kann man im prächtigen Schlosspark flanieren. Die Stadt boomt und zieht immer mehr Menschen an, die hier metropolennah im Grünen leben wollen. An diesem Aufbruch Oranienburgs, seiner sozialen und wirtschaftlichen Fortentwicklung, hat die städtische Bauverwaltung einen ganz wesentlichen Anteil. Sie schafft mit Stadtplanung, Infrastruktur und nachhaltigem Liegenschaftsmanagement die Grundlage für eine lebensfähige und lebenswerte Kommune.

Im städtischen Baudezernat sind Stadtplanung, Hoch- und Tiefbauamt sowie das Liegenschaftsmanagement verortet.

Visionen und Träume Gestalt werden lassen? Christian Kielczynski lächelt milde bei diesem Versuch der Laiin, die Aufgaben der Oranienburger Stadtentwickler auf einen, zugegeben etwas pathetischen, Punkt zu bringen. „Klar haben wir Träume und Visionen“, sagt der Leiter des Stadtplanungsamtes, in dem er mit zehn Kolleginnen und Kollegen am optischen Erscheinungsbild der Stadt, ihrem infrastrukturellen und sozialen Funktionieren feilt. „Aber wir sind weit entfernt von dem, was beispielsweise klassische Architekten tun: Auftrag – Entwurf – Ausführung – Einweihungsparty.“ Stadtentwicklung im öffentlichen Dienst als wesentlicher Beitrag zu Daseinsvorsorge und Gemeinwohl ist „ein hochkomplexer Prozess mit ganz, ganz vielen Beteiligten“, weiß Kielczynski nach mittlerweile 26 Jahren in diesem Job, „und am Ende der Visionen und Träume steht hier immer ein reichlich ausdiskutierter Kompromiss, mit dem dann auch noch nicht immer jeder zufrieden ist. Hundertprozentigen Konsens werden wir nie erreichen, wir können auch nicht jeden Wunsch erfüllen. Das muss jedem klar sein“, macht Kielczynski deutlich, „und das müssen unsere Berufseinsteiger, die frisch von der Uni in die öffentliche Bauverwaltung kommen, auch immer erst einmal verinnerlichen und regelrecht lernen.“

Bürgerbeteiligung hat hohen Stellenwert

Die Landesgartenschau 2009 brachte Oranienburgs Erscheinungsbild spürbar voran – unter anderem wurde neben dem Schloss, wo lange Zeit nur Militärfahrzeuge parkten, der Schlosspark saniert und neu angelegt.

Auf 45.000 Einwohner ist die Havelstadt mittlerweile angewachsen, und für sie alle arbeiten Politik und Verwaltung Hand in Hand seit mehr als zwei Jahrzehnten daran, „den Organismus Stadt vernünftig zu entwickeln, das Umfeld der Menschen – von jung bis alt – lebensfähig und lebenswert zu gestalten“, sagt Kielczynski. Die Oranienburger legen allergrößten Wert auf Bürgerbeteiligung, wenn es um Gestaltung und Zukunft ihrer Stadt geht. „Wir nehmen das sehr ernst und tun hier weit mehr als das gesetzlich geforderte Maß“, betont Kielczynski, in seinem Amt gibt es dafür eigens den Sachbereich „Kommunales Einvernehmen“. Dahinter steht ein klares Leitbild: „Die Bürger sollen Verwaltung nicht nur als anonymen Dienstleister verstehen, sondern wir wollen sie auch direkt mit in die Verantwortung nehmen für die Gestaltung und Zukunft ihrer Stadt.“
Dass sich dieser Prozess und die Beteiligung daran lohnen, können die Oranienburger mittlerweile jeden Tag sehen und greifen. „Oranienburg hat ein Gesicht bekommen, seine Mitte gefunden“, freut sich Baudezernent Frank Oltersdorf. „Der Wandel des Stadtbildes ist für jedermann sichtbar – das Schöne und das Nützliche haben sich gefunden, und die Bürgerinnen und Bürger sind stolz auf ihre Stadt, präsentieren sie oft und gerne und fühlen sich einfach wohl hier. Kein Vergleich zu früher!“

„Stadtentwicklung als wesentlicher Teil der Daseinsvorsorge ist ein komplexer Prozess mit ganz vielen Beteiligten“, sagt Christian Kielczynski, Leiter des Stadtplanungsamts. Politik und Verwaltung legen größten Wert auf Bürgerbeteiligung.

Der Weg war und ist freilich kein leichter. Schloss und Havel lagen zu Beginn der großen Anstrengungen fast unsichtbar am Rand der Stadt, die ihrer blauen Lebensader den Rücken zugewandt hatte. Das Schloss: ein unansehnlicher grauer Kasten, lange Zeit als Fabrik und militärisch genutzt, für Besucher geschlossen. Quer über den Schlossplatz donnerte der Verkehr der Bundesstraße, ringsherum zerfielen die einst schmucken Barockgebäude. Mutig und unterstützt von Städtebauförderungsmitteln und Kulturinvestitionsprogramm krempelte die Stadt, gelenkt von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, die Ärmel hoch und legte los: Kaufte und sanierte das Schloss, verhalf den Gebäuden rundherum entlang der auf das Schloss zulaufenden historischen Magistralen zu neuem Glanz, setzte gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßenwesen eine Umgehungsstraße und eine Verlegung der Schlossbrücke ins Werk, um die Innenstadt vom Verkehr zu befreien. Daraufhin konnte auch der Schlossplatz wieder zur repräsentativen Flaniermeile umgestaltet werden, die erhaben am Ende der auf sie zulaufenden Breiten Straße thront, gekrönt vom strahlend weißen Stadtschloss. Direkt nebenan lädt der Lustgarten im holländischen Stil zum Spazieren ein – wo früher nur ein Kasernenhof war. Und schließlich entstanden direkt im Zentrum, eingebunden in die ebenfalls neu angelegten Havelpromenaden, ein neuer Schlosshafen und eine große Anlegestelle: Idyllische Oasen in der Innenstadt, wo Wassertouristen im Zentrum Oranienburgs vor Anker gehen können, um anschließend bis hinauf zur Mecklenburgischen Seenplatte zu fahren. „Die Landesgartenschau 2009 war ein wichtiger Impuls bei dieser Entwicklung“, berichtet Baudezernent Oltersdorf, „zugleich aber auch eine ganz gewaltige Herausforderung. Es war überwältigend zu sehen, wie sich alle Oranienburger, von Politik und Verwaltung über Unternehmen bis hin zu den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern, ins Zeug gelegt haben, um dieses Projekt zu realisieren. Auch so etwas ist Stadtentwicklung und schweißt zusammen, stärkt Identität und Image.“

Maßgeschneiderte Infrastruktur für Menschen

Aber nicht nur die „Gestaltung für die Galerie“ liegt der Bauverwaltung am Herzen. Parallel zur Wiederbelebung des schmucken Zentrums wird der Ausbau einer maßgeschneiderten Infrastruktur für die Menschen, die in Oranienburg leben und arbeiten, vorangetrieben. Das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept«, kurz INSEK, bildet dabei seit 2007 den Masterplan für die gesamte Stadt- und Wirtschaftsentwicklung in der Stadt Oranienburg. Kitas, Schulen, Wohnraum für alle Bedarfe und Generationen, Platz für Versorgung und Gewerbe, ein durchdachtes Wege- und Parkkonzept für Radfahrer – „wir hören nie auf“, sagt Baudezernent Oltersdorf. So hat Oranienburg in den letzten Jahren eine Dynamik erlebt, wie sie wahrscheinlich nur wenige andere brandenburgische Städte vorweisen können.

Hände und Füße der Bauverwaltung

Idyllische Oasen: Oranienburg hat seine blaue Wasserader, die Havel, wiederentdeckt – auf den neu angelegten Havelpromenaden lässt sich entspannt flanieren, im Schlosshafen können Wassertouristen direkt im Zentrum der Stadt vor Anker gehen.
„Oranienburg hat ein Gesicht bekommen, seine Mitte gefunden“, freut sich Baudezernent Frank Oltersdorf.

Die ständige Weiterentwicklung und Optimierung der kommunalen Infrastruktur liegt in den versierten Händen der gesamten kommunalen Bauverwaltung. Während das Stadtplanungsamt Ideen sammelt und kondensiert, entwirft und abstimmt, kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen im Hoch- und Tiefbauamt um geeignete Orte und Plätze, die bauliche Umsetzung und, vor allem, natürlich auch um die permanente Pflege und Unterhaltung der städtischen Liegenschaften und Anlagen.
70 Frau und Mann stark ist das Tiefbauamt von Amtsleiter Thorsten Junker, darunter allein 38 Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. „Das sind die Hände und Füße unserer Verwaltung“, sagt der Amtsleiter stolz: „Jeden Tag draußen auf unseren Straßen, Spielplätzen, Friedhöfen und Grünflächen unterwegs, bei Stadtfesten und Sportveranstaltungen oder Umzügen im gesamten Bereich der kommunalen Verwaltung im Einsatz.“ Als Anfang Oktober der Sturm „Xavier“ über Berlin und Brandenburg gefegt war und auch in Oranienburg erhebliche Schäden vor allem im Baumbestand angerichtete hatte, „sind alle mit Kettensägen vor die Tür und haben im Eiltempo aufgeräumt. Solche Sondereinsätze kommen dann auch immer mal dazu“, berichtet Thorsten Junker und betont: „Die Stadthof-Kollegen sind im Gegensatz zu früher längst keine Hilfsarbeiter mehr, sondern hochqualifizierte Fachkräfte mit komplexen Tätigkeitsprofilen. Allein, was da an Technik und Fahrzeugen bewegt werden können muss, ist eine große Herausforderung.“ Für die bilden die Oranienburger ihre Straßenwärter auch selber aus, erzählt Junker. Im Tiefbauamt kümmern sich er und sein Team aus Straßen- und Brückenbauingenieuren um die Erschließung, Umsetzung, Unterhaltung von Verkehrswegen. 400 Kilometer Straße gibt es in Oranienburg, „davon die Hälfte noch unbefestigt“, berichtet Junker, logisch, dass da noch viel zu tun ist, um die Verkehrssicherheit und -qualität zu erhöhen und die hohen Unterhaltungskosten der unbefestigten Straßen zu senken. Regelmäßig bedienen sich die Tiefbauer ebenso wie Stadtplanung und Hochbauamt externer Auftragnehmer. Baudezernent Frank Oltersdorf: „Generell arbeiten wir häufig mit Beauftragungen – ohne Dritte würde man das Volumen überhaupt nicht schaffen.“ Umso wichtiger sei der „kluge und wachsame Blick“ der Verwaltung bei der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen, der Durchführung der Maßnahmen und die abschließende Kontrolle der abgelieferten Leistungen und Rechnungen. „Schließlich sind wir als Verwaltung verantwortlich für das Geld der Bürgerinnen und Bürger, mit dem wir hier wirtschaften“, sagt Oltersdorf, „und deswegen haben Effizienz und hohe Qualität für uns Priorität.“

Zentrale Projektmanager: „Die Spinne im Netz“

Tiefbauamtsleiter Thorsten Junker ergänzt: „Damit sind wir im Grunde zentrale Projektmanager, die Spinne im Netz, bei der alle Fäden zusammenlaufen. Das ist jetzt vielleicht nicht zwingend der Traum eines jeden Bauingenieurs, der sich eigentlich jeden Tag draußen auf der Baustelle sieht, aber dafür haben wir hier eine sehr breite Palette an Projekten und Verfahren, an deren Ende wir das Ergebnis, das wir mit geschaffen haben, greifen und auch im Echt-Betrieb erleben können. Wir sehen auch, wie die Menschen, für die wir arbeiten, sich an dem neu Geschaffenen erfreuen – das ist schon erfüllend.“ Natürlich ist auch auf Junkers „Dauerbaustelle“ nicht immer alles eitel Sonnenschein. „Es braucht hier definitiv auch Troubleshooter-Qualitäten“, stellt der Bauingenieur fest, Stadtplaner Kielczynski nickt bestätigend: „Die neuen Straßen wollen alle, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Auch Kitas oder Schulen – super, aber bitte weit weg mit dem Kinderkrach. Es geht aber eben darum, die Stadt lebenswert für alle zu machen, deswegen ist da viel Vermittlungsarbeit unsererseits gefragt.“ Auch Baudezernent Frank Oltersdorf weiß: „Überall da, wo mit Menschen gearbeitet wird, besteht Konfliktpotenzial. Und unsere Verwaltung greift nun mal punktuell auch sehr in den individuellen Lebensraum ein. Da gibt es viel zu besprechen.“ Für Junker bestehen solche Gespräche vor allem in Sachen Straßenausbau. Denn daran werden die Anwohner über Erschließungsbeiträge finanziell beteiligt, und nicht alle sind naturgemäß begeistert, machen dann ihrem Ärger Luft. „Das dürfen sie auch, und sie finden für ihre Anliegen hier in der Verwaltung auch immer den konkreten Ansprechpartner, der die Kritik aufnimmt und versucht zu erklären und zu vermitteln“, stellt Baudezernent Oltersdorf klar. Thorsten Junker: „Wir betrachten auch das Konfliktmanagement bewusst als Standard im nachhaltigen Verwaltungshandeln – den Bürgern erklären, was wir hier tun, um Verständnis und Unterstützung werben, eskalierende Konflikte, gar juristische Auseinandersetzungen, möglichst vermeiden.“

Liegenschaftsmanagement und kluge Grundstückspolitik

Nicht weniger als den Ausbau einer maßgeschneiderten Infrastruktur für die Menschen, die in Oranienburg leben, haben sich die Stadtplaner und -bauer auf die Fahnen geschrieben. Kitas, Schulen, Wohnraum für alle Bedarfe und Generationen, Platz für Versorgung und Gewerbe, ein durchdachtes Wege- und Parkkonzept für Radfahrer – „wir hören nie auf“, sagt Baudezernent Oltersdorf.

Viel Finderspitzengefühl ist auch in der dritten Säule der Oranienburger Bauverwaltung gefragt, dem Amt für Grundstücks- und Gebäudewirtschaft unter Leitung von Heidrun Gassan, das nicht nur für sämtliche Grundstücksangelegenheiten der Stadt zuständig ist, sondern ebenso für sämtliche Hochbau-Angelegenheiten und damit auch alle städtischen Gebäude in Oranienburg. „150.000 Quadratmeter Geschossfläche, zwölf Kitas, neun Schulen, neun Feuerwehren, Friedhofskapellen, ein Schloss und weitere historische Gebäude, mehrere hundert Garagen, die vermietet werden, zahlreiche Erholungsgrundstücke, also Kleingärten, im Besitz der Stadt“, rattert Heidrun Gassan ihren beeindruckenden Verantwortungsbereich runter. „All das muss verwaltet und unterhalten werden“, sagt Gassan – ihr Amt ist quasi tausendfacher Gebäudeeigner und Hausmeister in Einem. Der Service kommt in Oranienburg aus einer Hand: „Wir bewirtschaften alles selbst“, so Gassan. Ein nach langer Tradition von Auslagerungen und Privatisierungen nicht gerade weit verbreitetes Prinzip in der Kommunalverwaltung – aber aus Sicht der gelernten Betriebswirtin für Oranienburg „ein völlig richtiger Schritt“. Gemeinsam mit ihrem Team aus „hervorragenden Fachleuten“ – vom Haustechniker über Experten für die Technische Gebäudeausstattung (TGA) bis hin zum Architekten – „bringen alle als kommunaleigenes Personal ihre Kompetenz ein und sorgen dafür, dass die Verwaltung verantwortungsvoll mit den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln plant und wirtschaftet. Schließlich sind wir ja hier die Sachwalter der Steuereinnahmen“, unterstreicht Gassan, die ihre Kennzahlen im Kopf hat. Einem Viertel Baukosten stehen in der Regel rund Dreiviertel Bewirtschaftungskosten in der Folge gegenüber – bei Schulen sind es beispielsweise 70 Euro pro Quadratmeter – „das will schon alles gut durchgerechnet sein“, sagt Gassan. Umso glücklicher ist sie, dass sie mit ihren rund 70 Kolleginnen und Kollegen ein hochqualifiziertes Team hinter sich hat, das sogar eigenständig Machbarkeitsstudien zu diversen Projekten durchführt, um für die Stadt durchzurechnen, ob sich ein Vorhaben nachhaltig finanzieren lässt oder doch besser von der Investition abgesehen werden sollte. Über das Kennziffernsystem der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) vergleicht sich Oranienburg laufend mit anderen Kommunen bundesweit und schneidet dabei regelmäßig sehr gut ab.

Tiebauamt-Chef Thorsten Junker: „Es braucht hier definitiv auch Troubleshooter-Qualitäten.“

Neben der umfangreichen Gebäudewirtschaft sorgen Heidrun Gassan und ihr Team für die Umsetzung einer klugen Grundstückspolitik der Stadt. „Verfügbarer Gestaltungsraum ist Voraussetzung und wichtigster Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung der städtebaulichen Entwicklungsziele“, sagt Gassan. Ohne eigenen Grundbesitz wären der Stadt die Hände gebunden, sie wäre quasi ein König ohne Land. In Oranienburg aber ist das Feld gut bestellt: In einem Baulandkataster sind Leerstands- und Brachflächen erfasst, die nach und nach abgearbeitet werden. Ermittlung von Eigentümerverhältnissen, Klärung vermögensrechtlicher Ansprüche, Abstimmung städtebaulicher Ziele mit Eigentümern und Investoren und der strategische Grunderwerb durch die Stadt stehen im Fokus der Liegenschaftsmanager um Heidrun Gassan. Ihre Aufgabe nehmen sie sehr ernst und wissen um die große Verantwortung. „Deswegen legen wir hier im Grunde den gleichen Maßstab an, als ginge es um unsere eigenen Angelegenheiten“, sagt Gassan. „Wer zuhause gut wirtschaftet, tut das auch hier.“

Nachwuchs gesucht: Im Dienst der Allgemeinheit gestalten

Sorgen bereitet den Oranienburger Bauverwaltern indes der Blick in die Zukunft in Sachen Personal. Mit 57 Jahren liegt der Altersdurchschnitt der Beschäftigten sehr hoch, und „der Fachkräftemangel ist schon sehr zu spüren“, berichtet Baudezernent Frank Oltersdorf. Stadtplanungsamtschef Christian Kielczynski wurden jüngst gleich drei Kollegen abgeworben – „bessere Bezahlung, bessere Karriereperspektiven – dem konnten wir in diesen Fällen leider nichts entgegensetzen“, berichtet er und muss sich wieder auf die Suche nach neuem Personal machen. Auch für den Posten von Tiefbauamts-Chef Thorsten Junker brauchen die Oranienburger einen Nachfolger – Junker wechselt aus privaten Gründen nach Nordrhein-Westfalen. Frank Oltersdorf zu den Schwierigkeiten, die der Arbeitgeber öffentlicher Dienst im Wettbewerb um die besten Köpfe hat: „Auch wenn der öffentliche Dienst Vorteile in puncto Versorgungssicherheit bietet, sind uns in Sachen Bezahlung im Vergleich zur Privatwirtschaft die Hände gebunden – da gibt es eben ganz klare Stellenbeschreibungen und Eingruppierungsregeln, an denen wir nicht vorbeikommen. Wir können beim Gehalt nicht mal eben 500 Euro drauflegen. Und die komplexen Herausforderungen, die Planen, Gestalten und Bauen in der öffentlichen Verwaltung mit sich bringen, liegen auch nicht jedermann.“ Idealismus, hohe Belastbarkeit, eine gewisse Frustrationstoleranz und das berühmte „dicke Fell“ seien neben der fachlichen Qualifikation durchaus hilfreiche Eignungsmerkmale, schmunzeln die Amtsleiter. An einem anderen Ort möchten sie alle aber überhaupt nicht sein. „Man kann dauerhaft zugucken, was man gestaltet, wie die Stadt wächst und gedeiht, wie die Menschen Neues annehmen und mit Leben füllen, wie alles funktioniert“, sagen sie. Ob das der Stadthof-Mitarbeiter ist, der sich freut, wenn Bürger und Besucher die saubere Stadt loben, oder die Kollegin aus dem Hochbauamt, die eine geeignete Liegenschaft für eine neue Kita gesucht und gefunden hat und einige Zeit später eine tolle neue Einrichtung besuchen kann, in der das junge Leben tobt. „Jeder partizipiert am Erfolg, und die Nähe zu Stadt und Bürgern lässt eine Heimat- und Menschenverbundenheit entstehen, die man so nicht in jedem Job haben kann“, sagt Stadtplaner Christian Kielczynski. Dass dazu eben manchmal auch kritisches direktes Feedback gehört und Frau XY ihrem Ärger im Büro vor Ort so richtig Luft macht – „geschenkt. Vielleicht hat sie ja auch Recht oder eine gute Idee? Wir ziehen hier alle an einem Strang“, macht Kielczynski deutlich.

Verwalten, unterhalten, bewirtschaften: Heidrun Gassan, Leiterin des Amts für Grundstücks- und Gebäudewirtschaft, und ihr Team behandeln die ihnen anvertrauten Gebäude und Liegenschaften so sorgsam und sorgfältig, als wären es ihre eigenen.

Was die Oranienburger Planer, Bauer und Unterhalter allerdings so richtig ärgert, sind die abfälligen Verallgemeinerungen, die in der Öffentlichkeit immer wieder im Zuge mehr oder weniger misslungener Großprojekte wie dem neuen Berliner Flughafen oder der Hamburger Elbphilharmonie über „die da in der Verwaltung“ laut werden. „So etwas fassen eigentlich die meisten der Kolleginnen und Kollegen schon als persönliche Beleidigung auf“, sagt Liegenschaftsmanagerin Heidrun Gassan: „Da wird schlicht ignoriert, dass in ganz vielen Bauverwaltungen landauf, landab Projekte professionell, pünktlich und innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens realisieren werden und damit nachhaltig etwas für den Lebensraum der Bürger und das Gemeinwesen insgesamt getan wird.“ Alle seien sich der großen Verantwortung bewusst, die sie tragen, betont Gassan. Deshalb seien die Beschäftigten selbst daran interessiert, dass ihre Arbeit erfolgreiche Früchte trägt. Und damit wird noch lange nicht Schluss sein in Oranienburg, versichern Dezernent und Amtsleiter zuversichtlich – und machen sich wieder ans Werk.

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