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Gast-Kommentar

Auf Ihr Aussehen kommt es an!

Von Ronald Mikkeleitis*

Ich wurde ursprünglich in Berlin ausgebildet zum Polizeivollzugsbeamten und habe viele Jahre im Streifendienst verbracht. Nach erfolgreichem Studium der Verwaltungswissenschaften wechselte ich in die Verwaltung und arbeite jetzt in leitender Stellung im Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. In nunmehr fast 40 Dienstjahren habe ich alle nur denkbaren Gewalterfahrungen machen müssen – ich wurde mit Stahlkugeln beschossen, mit Molotowcocktails beworfen, mit Fäusten, Messern, Schusswaffen, Werkzeugen usw. angegriffen, bespuckt, beschimpft, bedroht. In meiner jetzigen Position bin ich für rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig, die permanent Außendienst verrichten. Mit diesem Hintergrund und Erfahrungshorizont arbeite ich seit Jahren auch als Seminar-Dozent für Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst (Ordnungsämter, Justiz, Sozialämter, Polizei usw.) und für die Privatwirtschaft – Thema: Eigensicherung.

Wie Du kommst gegangen … Auch das äußere Erscheinungsbild und Auftreten von Amtsträgern hat maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg ihrer Arbeit – und die persönliche Sicherheit.

Mein Hauptansatz besteht darin, Konflikte schon frühzeitig über Mimik und Gestik zu erkennen, damit man schlimmstenfalls darauf vorbereitet ist oder den Konflikt bestenfalls mit wenigen eigenen Mitteln, die relativ schnell zu erlernen sind, noch entschärfen kann. In diesem Zusammenhang halte ich auch das Benehmen und Aussehen der von Amts wegen handelnden Personen für einen entscheidenden Faktor.
Ein leider immer wieder in den Hintergrund geratendes Thema ist das ordentliche Erscheinungsbild von Exekutivmitarbeiterinnen und -mitarbeitern in Uniform im öffentlichen Raum. Es gibt mittlerweile klare Studienergebnisse die zeigen, wie sehr wir von der Bevölkerung über unsere Uniform wahrgenommen und bewertet werden. Eine weitere Erkenntnis: Eine ordentliche Uniform übt auch eine Art Schutzfunktion aus. Wer über sein äußeres Erscheinungsbild deutlich macht, dass sie/er seine Aufgabe sehr ernst nimmt und entsprechend auftritt, wird deutlich seltener Opfer von Gewalt. Es ist also nicht zuletzt für die eigene Sicherheit sehr wichtig, bei diesem Thema auf sich selbst und seine Kolleginnen und Kollegen zu achten.
Wir alle schätzen unser Gegenüber zu ca. 50 Prozent ein über unsere optische Wahrnehmung. Der sogenannte erste Eindruck wird also zur Hälfte bestimmt von Ihrem Äußeren, also vorrangig von Ihrer Uniform. Bekanntermaßen hat man für den ersten Eindruck nur eine Chance. In diesen wenigen Sekunden können wir nicht mit Fachkompetenz trumpfen, hier kommt es ausschließlich auf unsere Gesamterscheinung an. Ihre Uniform symbolisiert insbesondere Ihre Zugehörigkeit zu einer Organisation, also Polizei, Ordnungsamt, Zoll, Justiz, Feuerwehr usw.
Durch das Tragen der Uniform stellen Sie Ihren Beruf besonders in den Vordergrund und werden dadurch für andere leicht in Ihrer Funktion bzw. Ihrem Amt erkennbar. Unabhängig von der Uniform sollten Sie für Ihre eigene Sicherheit auch andere äußere Mindeststandards einhalten, um entsprechend ernst genommen zu werden von Ihrem Gegenüber: Achten Sie im Einsatz auf Ihre Körperhaltung, Ihre Gestik und Mimik aber auch auf eine angemessene Frisur und angemessenen Schmuck, wozu auch Körperschmuck wie Tattoos oder Piercings gehören.
Vermeiden Sie ungepflegte Haare, wilden Bartwuchs, schmutzige Fingernägel oder etwa starken Körpergeruch. Denn jede Form von Unordentlichkeit wird sehr schnell registriert und gewertet. Dazu zählen ungepflegte Kleidung, abgelaufene oder schmutzige Schuhe, heraushängende Oberteile, beschädigte Teile. Solche „Indizien“ werden vom Gegenüber schnell eingeordnet als Beweis für die Nachlässigkeit der Trägerin/des Trägers, die/der erkennbar kein Interesse daran hat, ein im wahrsten Sinne des Wortes gutes Bild abzugeben. Es wird unterstellt, dass es derjenigen Person schon an eigener Wertschätzung und der für ihr/sein Amt fehlt – warum sollte man sie/ihn dann respektieren und achten? Auch das Herumkauen auf Kaugummi oder das Rauchen einer Zigarette während eines dienstlichen Gespräches wird als sehr respektlos gewertet.
In einem Beschluss vom 30. September 2003 formulierte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz: Die Polizei könne die ihr übertragenen Aufgaben nur erfüllen, wenn sie in der Bevölkerung Ansehen genieße und ihr von den Bürgern Achtung und Vertrauen entgegengebracht würden. Eine Voraussetzung hierfür sei das korrekte äußere Erscheinungsbild eines jeden Beamten. Auf jeden Fall müsse vermieden werden, dass sich Bürger polizeilichen Anordnungen schon deshalb widersetzen, weil sie aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes eine persönliche Abneigung gegen den Beamten empfänden. Das heißt: Die/der betroffene Bürger/in, oft von uns ja für ein rechtswidriges Verhalten kritisiert, wird sich noch schwerer damit tun, ihr/sein eigenes Fehlverhalten einzusehen, wenn sie/er selbst sofort Kritikpunkte an der/an dem uniformierten Mitarbeiter/in erkennt. Schon eine/ein durch seine Optik negativ auffallender Mitarbeiter/in reicht aus, das Ansehen aller Mitarbeiter/innen zu senken. Daher empfiehlt sich also auch durchaus die kollegiale Ansprache an Kolleginnen/Kollegen, die gegen die Mindestanforderungen der Hygiene, der Sauberkeit, des Tragens einer korrekten Uniform und eines amtsangemessenen Verhaltens verstoßen. Vorgesetzte sind ohnehin in der Pflicht, Fehlverhalten anzusprechen und auf Änderung zu drängen.

Also, auch in diesem Sinne: Passen Sie bitte auf sich auf! Ende

*) Leitender Mitarbeiter in einem Berliner Ordnungsamt

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