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Ein Hanffeld in Marokko. Bis zu 80 Prozent des Cannabis‘, das in Deutschland konsumiert wird, stammt aus dem nordafrikanischen Staat.

So kommt „der Stoff“ nach Deutschland

Die Spur der Drogen

Hunderttausende Deutsche sind abhängig von harten illegalen Drogen. Auf der Straße, in Kneipen und Clubs, in Parks oder vermittelt über Bekannte besorgen sie sich für teures Geld Haschisch, Heroin, Kokain von Dealern. Aber wie kommt der „Stoff“ überhaupt ins Land? t@cker hat sich auf die Spur der Drogen gemacht.

Hunderttausende Deutsche sind abhängig von harten illegalen Drogen. Auf der Straße, in Kneipen und Clubs, in Parks oder vermittelt über Bekannte besorgen sie sich für teures Geld Haschisch, Heroin, Kokain von Dealern. Aber wie kommt der „Stoff“ überhaupt ins Land? t@cker hat sich auf die Spur der Drogen gemacht.
Jeder vierte Deutsche hat Erfahrungen mit illegalen Drogen, fünf Prozent konsumieren regelmäßig. Die meisten von ihnen kiffen oder koksen, nur wenige nehmen Heroin – der Stoff mit den verheerendsten gesundheitlichen Folgen.

Ungewöhnliche Pflanzenlieferung: Bei der Kontrolle eines niederländischen Pkws entdeckten Zöllner des Hauptzollamts Darmstadt im Kofferraum des Fahrzeugs 66 Marihuanapflanzen in einem Pappkarton – der Eigenanbau von „Gras“ nimmt deutlich zu.

In Sachen Gras: 80 Prozent Haschisch kommen aus Marokko

Cannabis – auch bekannt als Gras, Marihuana oder Haschisch – ist die mit Abstand am weitesten verbreitete Droge in Deutschland. Doch bevor deutsche Kiffer losrauchen können, muss der Stoff einen weiten Weg hinter sich bringen. Der beginnt meistens im marokkanischen Hinterland. Bis zu 80 Prozent des Cannabis‘, das in Deutschland konsumiert wird, stammt aus dem nordafrikanischen Staat.
Hier wächst die Hanfpflanze, aus der die Droge gewonnen wird, gut – wobei das recht anspruchslose Gewächs fast überall gedeiht.
Nach der Ernte verarbeiten die Bauern es zumeist sofort weiter zum Endprodukt: Die getrockneten Blüten und Blätter finden als Gras den Weg in deutsche Tüten. Als gepresstes Harz der Blütenstände ist aber Haschisch ebenso beliebt. In großen Mengen schicken es Zwischenhändler von Marokko aus auf die weite Reise nach Europa. Der klassische Weg führt übers Mittelmeer durch die Straße von Gibraltar. An der schmalsten Stelle liegen nur 14 Kilometer zwischen den beiden Kontinenten. Die spanische Küstenwache hat hier alle Hände voll zu tun. Rund 50 Prozent des in Europa beschlagnahmten Haschischs ziehen die spanischen Behörden aus dem Verkehr. Aber auch über Portugal finden die Drogen ihren Weg in die EU. In der Regel wird die Ware auf kleineren Jachten, die zwischen den Kontinenten hin und her fahren, versteckt.

Aber auch auf Schiffen, die Waren nach Europa bringen, versuchen die Schmuggler ihr Glück. Werden sie nicht erwischt, wird der Stoff auf dem Festland umgeladen und auf dem Landweg über Frankreich und die Niederlande weiterverteilt und gelangt so auch nach Deutschland. Trotz der in der EU geltenden Freizügigkeit des Schengener Abkommens ist der Transport nicht ohne Risiken. Denn immer wieder gehen der Polizei in den Transitländern mit Haschisch und Marihuana vollgestopfte Fahrzeuge ins Netz. Auch in Lkw, hinter legalen Waren verborgen, werden die Fahnder regelmäßig fündig. Beliebt ist auch der Versand mit der guten alten Post, zumindest, wenn es sich um kleinere Mengen handelt. Doch auch hier schlägt oft der Zoll zu.
Um den Risiken beim Schmuggel – und den damit verbundenen Kosten – zu entgehen, hat in den vergangenen Jahren der Marihuana-Anbau im Inland stark zugenommen. Gemeint ist dabei nicht der private Anbau im Schlafzimmer, sondern der Betrieb riesiger Gewächshäuser und -flächen. Laut Bundeskriminalamt flogen alleine 2017 insgesamt 668 solcher Plantagen auf.

Aus den Blättern der Coca-Pflanze wird die Droge Kokain gewonnen – hauptsächlich in Südamerika.
Obst mit „Schnee“: Insgesamt 225 Kilogramm Kokain fand der Zoll in Baden-Württemberg in Bananenkisten aus Ecuador. Marktwert: mehrere Millionen Euro.

Kokain aus Südamerika: Ein tödlicher Exportschlager

Auf deutschen Feldern wachsen diese Sträucher dagegen nicht: Die Koka-Pflanze und die daraus gewonnenen Produkte sind fast ausschließlich südamerikanische Exportschlager. Vornehmlich in Kolumbien, Peru und Bolivien ist Koka eine traditionelle Kulturpflanze, die in den Anden seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel und für kultische wie medizinische Zwecke verwendet wird. Die Menschen kauen Koka-Blätter oder nehmen sie als Tee aufgekocht zu sich. Die Pflanze vertreibt Hunger, Müdigkeit und Kälte. Kein Wunder, denn ein Koka-Blatt besteht zu 0,5 Prozent aus den Alkaloiden, die es auch für den Drogenmarkt so wertvoll machen – chemische Verbindungen, die allesamt bestimmte Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben: halluzinogen, aufputschend, beruhigend…

Diese Alkaloide werden im Labor in verschiedenen Schritten in Kokain umgewandelt. Einem deutschen Chemiker haben die Drogendealer dieser Welt übrigens eine Menge zu verdanken: Albert Niemann gelang es Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals, aus Koka-Blättern das Kokain in kristalliner Form zu isolieren. Seither ist es lange Zeit in der Medizin angewendet worden, auch in frühen Rezepturen von Coca-Cola war der Stoff enthalten, bis allmählich die Gefährlichkeit des Kokains erkannt wurde. Denn Kokain hat nicht nur positiv empfundene Wirkungen – stimmungsaufhellend, aktivitätssteigernd, Hunger und Müdigkeit unterdrückend. Es hebt auch den Blutdruck an, im schlimmsten Fall führt das zu Herzrhythmusstörungen oder Herzanfällen. Kokainkonsumenten essen und schlafen häufig zu wenig – mit allen bekannten Begleiterscheinungen: Mangelernährung, Halluzinationen und andere psychische Probleme.

Trotz des zunehmenden Drucks auf die Anbaustaaten Südamerikas ist der Kokain-Handel ungebrochen. Im Hinterland, tief im Dschungel etwa, finden sich etliche unentdeckte Felder und „Labore“: In Holzverschlägen wird aus Pflanzen die gefährliche Droge gemacht. Zunächst werden die kleingehäckselten Pflanzen mit Benzin übergossen, um die Alkaloide herauszulösen. Der verbliebene braune Brei wird mit Natriumbikarbonat behandelt, übrig bleibt Kokapaste mit einem Gehalt von 35 Prozent. In einem recht unkomplizierten chemischen Verfahren wird sie schließlich in das weiße Pulver verwandelt, das auf dem Weltmarkt so gefragt ist. Dann macht sich die Droge auf den Weg nach Europa. Jährlich werden aus Südamerika zwischen 150 und 170 Tonnen Koks nach Europa geschafft.

Crystal Meth – DIE Modedroge

Meth, Crystal, Ice, Speed – es gibt viele Straßennamen für Crystal Meth, alle beziehen sich auf einen Stoff: Methamphetamin. Eigentlich nicht neu, in den 30er Jahren als legale Aufputschpille „Pervitin“ zu bekommen, bei den Soldaten des Zweiten Weltkriegs als „Panzerschokolade“ bekannt, gilt Crystal aktuell als die Modedroge schlechthin. Der synthetische Stoff wird geschnupft, geraucht, geschluckt oder gespritzt und löst bis zu 48 Stunden lang ein euphorisches Hochgefühl aus. Konsumenten fühlen sich selbstbewusst, kreativ und stark. Hunger und Durst wird blockiert, die Leistungsfähigkeit nimmt zu.

Nach Nachlassen der Wirkung fühlt man sich gereizt, erschöpft und depressiv, die gesundheitlichen Schäden, die oft schon binnen kürzester Zeit eintreten, sind frappierend: Kreislaufprobleme, Schlaganfälle, Gewichtsverlust, Hautentzündungen, Haarausfall, Zahnausfall, Zersetzung der Schleimhäute in Mund und Nase, Schwächung des Immunsystems, Unruhe, Aggressivität, emotionale Instabilität, Impulsivität und Panikattacken. Es kann außerdem zu Gedächtnisstörungen und Psychosen kommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass Crystal für den deutschen Markt überwiegend in Labors in Tschechien hergestellt wird. Bei Fahndungen im Grenzbereich greifen Polizei und Zoll immer wieder Schmuggler auf, in Dresden wurde im Januar 2018 ein komplettes Crystal-Labor ausgehoben.

Zumeist wird der Stoff in Containerschiffen transportiert. Beliebt ist es dabei, die Päckchen mit dem „Schnee“ in Obstkisten unter Bananen oder anderen Früchten zu verbergen und am Bestimmungsort wieder aus der Ladung zu nehmen. Es gibt drei Routen, die die Schmuggler bevorzugen: Entweder sie schicken die Ware so auf direktem Weg nach Europa –
zumeist kommt sie dann in den Häfen Spaniens und Portugals an. Oder die Drogen werden zunächst nach Westafrika verschifft und dann über Land, über die Meerenge von Gibraltar und von Südwesteuropa Richtung Norden befördert. Die Wertentwicklung der Drogen ist je nach Transportstatus frappierend. Bei Kokain gilt: Für ein Kilo Kokain bekommt der Bauer in Kolumbien umgerechnet rund 1.300 Euro. Der Zwischenhändler im Land kassiert dafür schon 4.000 Euro. Großdealer in Europa berappen dafür 30.000 Euro. Und auf der Straße zahlen Konsumenten rund 400.000 Euro dafür – vorausgesetzt, der Stoff ist nicht noch gestreckt worden; die Summen gelten für reinen Stoff…

Gefährlich schön: Aus Schlafmohn wird Heroin – einer der teuflischsten Suchtstoffe der Welt. Als Hauptanbauländer gelten Afghanistan, Pakistan und Iran, ebenso Birma, Laos, Thailand, Mexico und Kolumbien.
Raffiniertes Versteck: Hinter einer eingeschweißten Trennwand fanden Hamburger Zöllner im Kofferraum dieses Pkw mehr als drei Kilo Heroin.

„Goldener Halbmond“ und „Goldenes Dreieck“: Wo er Schlafmohn wächst

Ähnliche Preisentwicklungen vollzieht auch die Droge, die aus einer wunderschönen Pflanze gewonnen wird: Schlafmohn enthält Opium, den Grundstoff für die Weiterverarbeitung in Morphin. Durch ein chemisches Verfahren gewinnen Drogenproduzenten daraus wiederum das halbsynthetische Heroin – eine der teuflischsten Drogen, die es gibt. Schlafmohn steht vor allem auf Feldern in Ländern des so genannten „Goldenen Halbmonds“: Afghanistan, Pakistan und Iran. 90 Prozent des weltweit verkauften Heroins stammen von hier. Aber auch andere Staaten wie Birma, Laos und Thailand – das „Goldene Dreieck“ – oder Mexiko und Kolumbien mischen auf dem Markt mit. Üblich ist es, dass der Schlafmohn in den Anbauländern auch gleich zu Morphin oder Heroin weiterverarbeitet wird, aber auch die Türkei gilt als großes Heroin-Labor auf dem Weg vom Mittleren Osten nach Europa. Denn hier entlang verläuft die wichtigste Schmuggelroute: aus dem Mittleren Osten über die Türkei und die Balkanländer Richtung Norden nach Europa. Alternativ wird das Heroin über den Kaukasus auf den Balkan oder über Russland und Osteuropa nach Westen geschmuggelt. Vereinzelt kommt der Stoff auch per Luftfracht.

Egal wie, die Schmuggler lassen sich immer etwas Neues einfallen – Geheimfächer in Autos, Transportern oder Lastwagen sind fast schon die Regel. Auch vor abartigsten Verstecken schrecken die Dealer nicht zurück – so wurden beispielsweise schon Hundewelpen mit implantierten Heroin-Päckchen von den Sicherheitsbehörden gefunden. Ist die Droge schließlich im Land, wird sie auf den deutschen Straßen portioniert in kleine Kügelchen verkauft. Die lösen die Konsumenten auf und jagen sich den gefährlichen Stoff in die Venen – mit fatalen Folgen: Heroin hat das höchste Abhängigkeitspotenzial aller bekannten Drogen, verbunden mit allen gesundheitsgefährdenden Begleiterscheinungen: Verwahrlosung, Infektionen und der Gefahr einer tödlichen Überdosis. Ende

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